Kennt jemand von Ihnen zufällig Folge 17 aus der zweiten Staffel der Animationsserie South Park? Ein absolutes Muss für jeden Strategen, egal wie erfahren oder unerfahren er ist. In der betreffenden Folge gibt es eine kurze Sequenz, in der gezeigt wird, wie eine Gruppe Wichtel Geschäfte mit Unterhosen macht. „Phase 1“, so der Wichtelanführer, „Unterhosen einsammeln. Phase 3 ist Profit.“ Auf die Frage nach Phase 2 folgt Schweigen. Ich betrachte dies gern als Metapher für digitale Strategien.

Der Dot-Com-Boom und die damit verbundene Verbreitung von Start-ups mit unsinnigen Geschäftsmodellen und fadenscheinigen Wertversprechen könnte das Kreativteam von South Park inspiriert haben (die Episode wurde im April 1998 ausgestrahlt). Aber was mir 20 Jahre später auffällt, ist, wie „Unterhosen einsammeln“ in nur 35 kurzen Sekunden die allzu üblichen Merkmale einer unzulänglichen Strategie aufzeigt:

  1. Sie ist vage.
  2. Sie hat kein übergeordnetes Ziel.
  3. Sie wird von den Mitarbeitern nicht verstanden.
  4. Sie ist lediglich beschreibend.
  5. Und basierend auf meinen jüngsten Erfahrungen bei der Arbeit mit Kunden an ihrer digitalen Strategie möchte ich etwas hinzufügen, was in dem Clip nicht vorkommt: Sie legt einen übermäßigen Schwerpunkt auf Technologie.

 

Wie also entwickeln (bzw. aktualisieren oder erkennen) Sie eine gute digitale Strategie? Von Leuten wie Simon Sinek bis zu den Wissenschaftlern der MIT Sloan Management Review am Massachusetts Institute of Technology gibt es eine Menge an Text (sei es traditionell oder digital) oder Videoinhalten, um diese Frage zu beantworten und Ergebnisse zu liefern. Es gibt sogar ein Online-Quiz und einen schicken Schlagwortgenerator, der Ihnen helfen wird, ehrlich zu bleiben.

Für den Anfang schlage ich Ihnen vor, einfach die fünf oben aufgeführten Probleme zu nehmen und sie eines nach dem anderen auf den Kopf zu stellen.

 

1. Zu vage? Bemühen Sie sich um Klarheit

Sorgen Sie dafür, dass die Strategie präzise statt unklar ist. Beziehen Sie dazu Zahlen und Datumsangaben ein (verwenden Sie zumindest Zeitangaben wie kurz-, mittel- und langfristig). Dadurch werden Erwartungen gesetzt und das Team hinter dem Plan mobilisiert.

 

2. Ziellos? Steigern Sie das Engagement

Sorgen Sie dafür, dass es für Mitarbeiter, Kunden und Partner einen Grund gibt, sich mit dem Unternehmen zu beschäftigen – das, was Simon Sinek das Warum eines Unternehmens nennt. Gewinn ist kein Ziel, sondern die Folge guter Arbeit. Dies gilt sicherlich vor allem für den öffentlichen Sektor und Akteure im Nonprofit-Bereich.

 

3. Unverständlich? Verbessern Sie Ihre Kommunikation

Hierbei geht es darum, einfach zu sein, ohne banal zu werden. Das ist schwierig, da die perfekte Balance je nach Zielgruppe (Investoren, Kunden, Mitarbeiter) unterschiedlich ist. Donald Sull hat hierfür einen meiner Ansicht nach vernünftigen Rat: Legen Sie einige strategische Prioritäten fest, idealerweise fünf bis sechs, und kommunizieren Sie diese.

 

4. Beschreibend? Zeigen Sie die Entscheidungen auf

Die Strategie sollte beschreibend (Das tun wir: Unterhosen sammeln) und richtungsweisend sein (Das tun wir nicht). Es ist wichtig, klarzustellen, dass Entscheidungen getroffen wurden: Selbst, wenn Sie im Unterhosengeschäft sind, ist Strategie keine Wäscheliste, die es abzuhaken gilt. Einige Aktivitäten gehören nicht zur Strategie und sollten nicht diskutiert werden.

 

5. Technologiebesessen? Konzentrieren Sie sich auf Kundenergebnisse

Nur allzu häufig wird vergessen, welche Ergebnisse und Vorteile diese tolle digitale Technologie, in die wir investiert haben, für Benutzer und Kunden bringt. Versetzen Sie sich in den Kunden, um zu prüfen, ob die Strategie für sie etwas ändert.

Diese fünf Probleme anzugehen, ist noch keine Garantie, dass Sie dann eine unglaublich erfolgreiche digitale Strategie besitzen, aber die Chancen dafür sind zweifellos wesentlich höher. Unterdessen werde ich den Clip zu „Unterhosen sammeln“ auch weiter regelmäßig bei Schulungen oder Präsentationen zum Thema Strategie einsetzen. Er hat mir in den letzten zehn Jahren gute Dienste geleistet und mein Publikum zum Schmunzeln gebracht, und ich wette, dass er auch in den nächsten zehn Jahren nicht an Relevanz verlieren wird.