Welche Nachrichten zur digitalen Transformation möchten Sie zuerst hören – die guten oder die schlechten?

Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an. Komplexität, Geschwindigkeit und die Erwartungen, die in der digitalen Ökonomie an Führungskräfte im Technologiebereich gestellt werden, nehmen weiter zu. So zeigen die Studien von IDC, dass mehr als sechs von zehn CEOs unter erheblichem Druck stehen, eine erfolgreiche Strategie zur digitalen Transformation entwickeln zu müssen.

 

Grafik IDC

 

Die gute Nachricht ist, dass IDC einen „Blueprint for Multiplied Innovation“ entwickelt hat, der Führungskräften im Technologiebereich helfen soll, sich in der zunehmend komplexen Umgebung zurechtzufinden. Das Konzept wurde im Rahmen eines Live-Video-Webcasts von IDC eingeführt, der seither von Tausenden von Führungskräften aus der Technologiebranche gesehen wurde. Im Rahmen dieses Konzepts hat IDC zehn Vorhersagen zusammengestellt, die unserer Ansicht nach die größten Auswirkungen auf den Markt für Unternehmenstechnologie haben werden.

Dabei geht es darum, Führungskräften dabei zu helfen, gemeinsam eine Strategie und eine Roadmap zu orchestrieren, um die Bandbreite an Technologien zu nutzen, die die Geschäftsmodelle der Zukunft zunehmend unterstützen werden. Es sollte betont werden, dass es sich hierbei nicht um eine reine IT-, digitale oder Geschäftsbereichsstrategie handelt, sondern vielmehr um eine Strategie, die alle Stakeholder betrifft.

Das IDC-Konzept für vervielfachte Innovation beruht im Wesentlichen auf fünf Säulen (mit den dazugehörigen Prognosen), die im Folgenden skizziert werden:

1. Finanzen: Finanzielle Roadmaps sollten den neuen ROI im Auge haben – den „Return on Innovation“.

2. Strategie: Das Erstellen eines Anwendungsfalles nach Zeithorizont und auf branchenspezifischer Basis sorgt für Abstimmung und schafft einen Bezugspunkt für das Führungsteam.

3. Geschäftsmodell: Unternehmen werden das Geschäftsmodell überdenken, um dieses nicht nur auf Technologie, sondern auch auf Ökosysteme zu stützen. IDC geht davon aus, dass bis 2021 82 Prozent der Einnahmen aus Geschäftsmodellen der digitalen Transformation ökosystemfähig sein werden.

 

Grafik IDC

 

Um das Potenzial dieser Geschäftsmodelle der Zukunft nutzen zu können, müssen Unternehmen zwischen den Anforderungen nach Sicherheit und denen nach Offenheit abwägen. IDC geht daher davon aus, dass digitale Risiken bis 2025 zum Standardberichtsmechanismus im Rahmen des Jahresabschlusses werden. Der Übergang zu digitalen Ökosystemen und Wertschöpfungsnetzwerken – im Gegensatz zu linearen Wertschöpfungsketten – eröffnet neue Möglichkeiten für Distributed-Ledger-Technologien wie Blockchain, die eine Verteilung der Verbindung zwischen mehreren Einheiten in einem Netzwerk ermöglichen. Aus diesem Grund prognostiziert IDC, dass bis zum Jahr 2020 60 Prozent der Unternehmensinvestitionen in Blockchain auf die Notwendigkeit zurückgehen werden, ökosystembasierte Geschäftsmodelle zu ermöglichen, die sich auf einen sicheren Datenaustausch stützen. Der primäre Fokus dieser digitalen Ökosysteme der Zukunft wird der Kunde sein, und das Kundenerlebnis wird zunehmend zum Wettbewerbsunterscheidungsmerkmal des Unternehmens werden. Es gilt, auf intelligente Weise, Kontext und Erkenntnisse zu jedem einzelnen Kundenkontaktpunkt bereitzustellen. In Übereinstimmung damit prognostiziert IDC, dass die künstliche Intelligenz (KI) bis 2025 die neue Benutzeroberfläche (UI) werden wird.

4. Plattform: Unternehmen, die diese ökosystemorientierten Geschäftsmodelle umsetzen wollen, benötigen eine integrierte unternehmensweite Technologiearchitektur, um einen nahtlosen Datenfluss über alle Systeme, Geschäfts- und digitale Anwendungen hinweg (intern wie extern) zu unterstützen. In dieser Hinsicht wird auch die neue IT-Grundlage zunehmend „Cloud-First“ sein und die Nutzung von Hyperscale-Cloud-Plattformen exponentiell zunehmen. Um das damit verbundene Risiko der Abhängigkeit von einem Anbieter zu mindern, werden IDC zufolge bis 2020 60 Prozent der Unternehmen zwei oder mehrere Cloud-Plattformen nutzen, was Unternehmen dazu veranlassen wird, nach Multi-Cloud-Management-Services zu suchen, um die Komplexität zu reduzieren.

5. Zukunft der Arbeit: Nicht zuletzt brauchen Unternehmen, die dieses Konzept umsetzen wollen, inspirierte, engagierte und befähigte Mitarbeiter. Dies erfordert ein Überdenken des Prozesses zur Mitarbeiterrekrutierung und -bindung, aber auch eine Konzentration auf organisatorische Agilität, bei der die richtigen Qualifikationsprofile mit den richtigen Teams verknüpft werden – was angesichts der sich abzeichnenden Qualifikationslücke zunehmend zu einer großen Herausforderung werden wird. So geht IDC davon aus, dass bis zum Jahr 2020 90 Prozent aller europäischen Unternehmen vom Mangel an IT-Fachkräften betroffen sein werden, was zu jährlichen Umsatzeinbußen in Höhe von 91 Milliarden US-Dollar führen wird.

Dieses Konzept soll nicht nur zukunftsweisend, sondern auch umsetzbar sein. Es sollte ein interessanter Bezugspunkt für alle Stakeholder sein, um die Ausrichtung und Umsetzung für das Jahr voranzutreiben. Darüber hinaus wird es hoffentlich inmitten der zunehmenden Komplexität, Geschwindigkeit und des Drucks, denen wir alle tagtäglich ausgesetzt sind, auch einige gute Nachrichten bringen.

Dieser Artikel ist im Rahmen der IDC Reihe „Your pathway to digital success“ erschienen, die Wirtschaftsführern Anregungen liefern soll, wie sie gängige Probleme bei der Entwicklung ihrer Unternehmen überwinden können.