Laut einer Studie der Harvard Business Review trauen mehr als ein Drittel der Führungskräfte ihrer internen IT-Abteilung nicht zu, die digitale Agenda umzusetzen. Diese wenig schmeichelhafte Meinung, die die Kompetenzen der IT-Kollegen betrifft, entspricht der neuen Realität der Digitalisierung: Jedes Unternehmen, das eine laufende Transformation durchführen will, muss IT in den Fokus rücken. Die IT-Kompetenzlücke wird nicht verschwinden – sie ist sogar noch kritischer geworden.

Glücklicherweise bedeutet die Konvergenz von Cloud-Services mit einer Reihe von neuen Technologien, darunter künstliche Intelligenz (KI), Blockchain und Datenanalyse, dass IT immer allgegenwärtiger ist und stärker eingebettet wird. Es ist unwahrscheinlich, dass Unternehmen und Mitarbeiter wegen des Versagens einer einzelnen IT-Abteilung in ihrer Arbeit aufgehalten werden und scheitern. Neben dem neuen Trend zur geschäftsorientierten IT findet eine zunehmende Automatisierung von IT-Entscheidungen und -Funktionen statt.

Damian Bunyan, Chief Information Officer beim Energieunternehmen Uniper, bringt den Geist des digitalen Zeitalters mit seinen Worten auf den Punkt: „Ich weigere mich, eine Grenze zu ziehen zwischen dem, was die Leute IT nennen und dem Business. Gäbe es keinen Strom, würde die Gesellschaft zusammenzubrechen. Und wenn die IT nicht funktioniert, bricht Uniper zusammen.“ Das Unternehmen rückt IT in den Mittelpunkt, indem es eine digitale Grundlage für Digitalisierung, Automatisierung und Mobilität schafft.

Wie eine Studie von KPMG/Harvey Nash CIO aus dem Jahr 2019 zeigt, ist Uniper damit nicht allein. Viele weitere Unternehmen und CIOs haben die Zeichen der neuen Zeit erkannt. „Die Daten zeigen, dass die Unternehmen am erfolgreichsten sind, die die größten Investitionen in geschäftsorientierte und verwaltete IT tätigen“, erklärt Rob Grimsey, Group Marketing Director bei Harvey Nash.

Es gibt jedoch einen Vorbehalt, warnt Grimsey. Unter diesen digitalen Freibeutern „setzen sich diejenigen, die die IT nicht in die Entscheidungsfindung einbeziehen, größeren Risiken und der Gefahr eines Vertrauensverlustes aus“. Grundsätzlich mangelt es nach wie vor akut an IT-Experten und -Kompetenzen, wobei Datenanalyse, Cybersicherheit, KI, Unternehmensarchitektur und Geschäftsanalyse die Dringlichkeitsliste anführen.

Laut Dave Coplin, dem ehemaligen Chief Visioning Officer bei Microsoft und Autor, ist die Nutzung und das Potenzial der künstlichen Intelligenz ein Disruptor und „game-changer“ für die IT und die gesamte Belegschaft. „In der Arbeitswelt kann alles, was einem Muster folgt, von einem Roboter erledigt werden – üblicherweise sind das 30 Prozent jeder Arbeit.“ Jüngste Prognosen des Marktforschungsunternehmens IDC über KI im IT-Betrieb (AIOps) unterstützen die Aussicht auf eine zunehmend automatisierte und intelligente IT-Abteilung.

Coplin zufolge besteht die Herausforderung für CIOs darin, entscheiden zu müssen, wie sie die durch KI und Automatisierung gewonnene Zeit am besten nutzen. Während IT und Unternehmensführung darüber nachdenken, sind große Unternehmen auf der Suche nach Partnerschaften, um IT-Innovations- und Qualifikationslücken zu schließen, dies zeigte die CIO-Umfrage. „Partnerschaften sind in einer neuen Ära des kooperativen Wettbewerbs [co-opetition, cooperative competition] ein effektiveres Modell für den Zugang zu Innovationen und Kompetenzen als Outsourcing“, bestätigt Grimsey.

Große Unternehmen experimentieren mit anderen Modellen wie dem Zusammenschluss mit agilen Start-ups, um Qualifikationslücken zu schließen und Innovationen zu fördern. Die Partnerschaft zwischen Mastercard und Revolut zeigt, wie die Agilität und Energie eines kleinen Unternehmens die Führung und Größe eines etablierten Unternehmens ergänzen kann. Revolut gehört zu den ersten erfolgreichen Start-ups, die aus dem Start Path-Programm 2016 von Mastercard hervorgegangen sind.

Während IT-Leiter und -Abteilungen mit der Planung und Modernisierung ihrer digitalen Grundlagen für eine zentrale, beherrschende Rolle fortfahren, wird der Mangel an Fachkräften bestehen bleiben. Anders als früher, als eine Rekrutierungsinitiative oder ein Outsourcing-Deal einen Mangel beheben konnte – und sei es auch nur kurzfristig –, müssen wir heute in Partnerschaften und KI denken, wenn wir die Zukunft gestalten wollen.