Portrait Dan

 

„Wir verfügen jetzt über die gesamte Technologie, die wir brauchen, um das modernste Unternehmen aufzubauen.“

 

Dan Hushon, Senior Vice President und Chief Technology Officer bei DXC Technology, treibt die Innovationsstrategie und das Wachstum für die Lösungen von DXC voran und sorgt für technologische Exzellenz. Er ist verantwortlich für die Formulierung von DXCs technologischer Vision und dafür, diese bei den Kunden zu vertreten. Außerdem ist er Executive Sponsor von DXC bei AT&T und Microsoft. Dan Hushon verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Bereitstellung differenzierter technologischer Lösungen und hatte unter anderem führende Positionen bei EMC und Sun Microsystems inne.

 


 

F: Die Unternehmenstransformation ist bereits seit ein paar Jahren im Gange. Worin bestehen Ihrer Ansicht nach heute die größten Herausforderungen für Ihre Kunden?

A: Die Rekrutierung erfahrener Talente gehört zu denen, die ich ganz oben auf die Liste setzen würde. Obwohl alle unsere Kunden Fortschritte machen wollen, haben sie im IT-Bereich noch eine große Menge an überfälligen Hausaufgaben zu erledigen, wie ich es nenne. Als Folge davon gibt es bei Geschäftsprojekten einen Rückstand, der durch zwei Hauptprobleme begünstigt wird. Das erste besteht darin, sowohl die Führungsmitarbeiter zu rekrutieren, die über genügend Erfahrung verfügen, als auch die Full-Stack-Entwickler, die bei der Transformation mitarbeiten können. Das zweite Problem ist die Entwicklung einer IT-Umgebung, die den Talenten die Produktivitätstools und die Kultur bietet, die sie benötigen.

In gewisser Weise ist das eine Zwickmühle. Gute Leute wollen in einem hyperproduktiven Umfeld arbeiten, doch viele Unternehmen können potenziellen Mitarbeitern dieses Umfeld nicht bieten. Das Fehlen einer komplett modernen IT-Umgebung kann also zu einer Lücke führen, so dass Unternehmen keine Top-Talente einstellen können, um den Prozess zu beschleunigen.

 

F: Was ist wichtiger: Die Schulung der derzeitigen Mitarbeiter oder die Anwerbung und Einstellung von Mitarbeitern, die über höhere Qualifikationen verfügen?

A: Im Grunde ist beides wichtig, denn der Personalmarkt hat sich verändert. Zu den gefragten Fähigkeiten gehören jetzt Kenntnisse in der Arbeit mit APIs und Informationsservices sowie das Erstellen tiefgreifender Analysen. Es gibt noch eine weitere Reihe wichtiger Fähigkeiten, nämlich Prototypen und Pilotprojekte in die Produktionsprozesse des Unternehmens integrieren zu können.

Personen mit diesen Fähigkeiten sind diejenigen, die die Umsetzung im Unternehmen tatsächlich vorantreiben. Unterstützt wird dieser Prozess auch durch den Wechsel von einem weitgehend produktbasierten IT-Ansatz zu einem Ansatz, der sich auf Services und Plattformen konzentriert. Dieser Wandel erfordert auch neue Fähigkeiten in den Bereichen Unternehmensarchitektur, Organisationsentwicklung, Cybersicherheit und Risikomanagement.

 

F: Wie gehen Ihre Kunden mit dem Problem fehlender Talente um?

A: Hier wird viel experimentiert. Einige unserer Kunden haben zum Beispiel begonnen, in das zu investieren, was ich als praktische oder angewandte Innovation bezeichne. Sie fragen ihre Mitarbeiter: „Was würden Sie tun, wenn Sie dieses Problem hätten?“ Das zieht natürlich die Problemlöser an oder hilft zumindest, diese zu finden.

Hier bei DXC haben wir damit begonnen, agile Teams aufzubauen und diese am Ende eines Sprints zu fragen, mit wem sie gerne wieder zusammenarbeiten würden. Wenn Sie diese Informationen haben, können Sie ein besseres Team aufbauen. Wir erleben also häufig eine Neuzusammenstellung von Teams – sowohl auf der Führungs- als auch auf der Nachwuchsebene.

Eine tolle Sache ist hier auch die Durchführung von Hackathons und Buildathons. Sie bieten eine großartige Möglichkeit, um Talente hervorzulocken. Sie haben vielleicht 10 oder 20 kleine Teams, die jeweils an einem Problem arbeiten, jedes mit seinem eigenen Hintergrund. Die Mitglieder lernen, als Team zu arbeiten, und sie gewinnen oder verlieren auch als Team.

Das Wettbewerbselement ist wichtig. Am Ende gibt es einen Hauptgewinner. Doch meiner Ansicht nach gewinnen eigentlich alle. Das Unternehmen kann eine Menge lernen. Und es gibt wirklich einen großen Überschuss an guten Ideen.

Einer unserer Kunden, ein Zugbetreiber, hat einen dieser Wettbewerbe durchgeführt. Die Aufgabe lautete wie folgt: „Können Sie eine Umgebung schaffen, die das Fahrerlebnis grundlegend verändert?“ Ein Team hat ein so genanntes universelles WLAN-Ticket entwickelt. Es stellte sich heraus, dass die meisten Pendler nicht nur einen Zug nehmen, sondern stattdessen mit einem Zug zum Zug fahren oder vom Zug in einen Bus umsteigen. Die Idee war also, den Fahrgästen ein Token zu geben, das ihnen auf dem gesamten Heimweg WLAN-Zugang gewährt.

 

F: Sie haben eben von „überfälligen Hausarbeiten“ der IT gesprochen. Was gehört dazu?

A: Eine ganze Reihe von Dingen. Eines davon ist eine geeignete Implementierungsstrategie für die Cloud. Viele Unternehmen haben eine Cloud-Strategie, aber wie viele davon konnten die Vorteile maximieren oder sogar komplexe oder hybride Workloads bewältigen, die sich über Cloud- und traditionelle Umgebungen erstrecken? Wir haben grandiose Erwartungen erlebt, auf die dann eine ziemlich suboptimale Leistung folgte.

Ich persönlich kann mir moderne IT für Entwickler sehr gut vorstellen, wenn ich mir die Tools ansehe, die Open-Source-Communitys ganz selbstverständlich für die kontinuierliche Integration/Bereitstellung in einer verteilten Community verwenden. Wenn es um traditionellere Wissensarbeiter (Knowledge Worker) geht, sollten Sie sich ansehen, wie Hyperskalierer wie Google und Microsoft ihre Umgebungen für die Zusammenarbeit betreiben.

 

„Es ist wichtig, sich auf die IT-Modernisierung zu konzentrieren. Es liegt auf der Hand, dass das Unternehmen informationsorientierter vorgehen muss und die IT von ihrer eigenen Digitalisierung profitieren kann.“

 

Manchmal läuft es jedoch auf die einfache Frage hinaus, ob man wirklich weiß, wo man Systeme hat, die seit langem nicht mehr aufgerüstet oder aktualisiert wurden. Dann wiederum muss man sich Gedanken über Software-Patches machen. Wie viele Unternehmen haben das Patching wirklich im Griff? Ihr IT-Bestand ist gewachsen, aber ihre Patching- und Betriebsbudgets sind geschrumpft. Es kann und sollte eine enorme Welle der Modernisierung stattfinden.

 

F: Wie kann die IT von ihrer eigenen Digitalisierung profitieren?

A: Wenn man sich die Hyperskalierer in der Cloud anschaut, stellt man fest, dass sie IT ganz anders betreiben als die meisten Unternehmen. Unternehmen wie beispielsweise Airbnb, Netflix und Spotify führen Sprints sowohl für Funktionen als auch für technische Schulden durch. Normalerweise führen sie funktionale Sprints durch. Aber wenn sich ihre technischen Schulden akkumulieren, legen sie eine Pause bei den Funktionen ein und bauen stattdessen diese Schulden ab.

Ein Unternehmen könnte zum Beispiel jeden vierten Sprint dafür abstellen, all die Aufgaben zu erledigen, die noch im Code stehen. Auf diese Weise würde seine IT-Umgebung kontinuierlich modernisiert. Viele Unternehmen neigen jedoch dazu, etwas, das läuft, nicht anrühren zu wollen.

Ich glaube, dass wir jetzt über die gesamte Technologie verfügen, die wir brauchen, um das modernste Unternehmen aufzubauen. Sicher, es wird ständig besser werden, aber wir haben jetzt so gut wie alles, was wir brauchen. Die eigentliche Frage ist: Haben Sie die Teams und das Betriebsmodell, um zumindest ein schneller Follower zu sein? Sie müssen vielleicht nicht Erster sein – aber Sie wollen sicher auch nicht Letzter sein.

 

Weitere Informationen zu Unternehmenstransformation und -fortschritt finden Sie unter „Connecting digital islands: Bridging the business transformation gap“, einer globalen Umfrage unter Führungskräften aus Wirtschaft und Technologie. Diese Fragen und Antworten sind Teil des Berichts zur Umfrage.