Die neuen Technologien wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, die der digitale Wandel mit sich bringt, rufen tiefgreifende Veränderungen im privaten wie im beruflichen Leben hervor. Wie den durch diese Entwicklung veränderten Anforderungen an Unternehmen und Arbeitskräfte begegnet werden kann, wurde kürzlich am siebten Life Sciences Leader Forum (LSLF) von DXC Technology in Basel diskutiert.

Die Auswirkungen der Digitalisierung wie beispielsweise der beginnenden Datenwertschöpfung, der globalen Plattformökonomien und des Konsums von neuen Dienstleistungen erreichen ein Maß, das das Kerngeschäft vieler traditioneller Unternehmen radikal verändert – diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern fällt vielen Organisationen nicht leicht. Starre und rigide Unternehmenskulturen behindern häufig eine schnelle Anpassung an neue Gegebenheiten – wie etwa an die aktuelle Pandemie, die die Gesundheitssysteme weltweit an ihre Grenzen bringt – und ersticken neue Ideen, Ansätze und Innovationen meist im Keim, sodass die technologischen Trends kaum ihr volles Potential entfalten können. Um diese Probleme zu lösen, werden auch neue, fortschrittliche Führungsqualitäten gebraucht.

Simon Brown, Chief Learning Officer bei Novartis, sieht einen Schlüsselaspekt in der Pflege einer unternehmensinternen Lernkultur. Diese soll die natürliche Neugierde der Mitarbeiter wecken und sie auf diese Weise auf zukünftige Herausforderungen besser vorbereiten.

 

Die richtigen Fragen stellen

Um eine Lernkultur zu etablieren, müssen sich Unternehmensführer folgende Fragen stellen: Wie bereiten sich Unternehmen auf den grundlegenden Wandel vor? Welche Denkweisen, Fähigkeiten und Praktiken sind entscheidend? Wie verändert man bewusst die Unternehmenskultur und baut Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert auf? Wie weckt man die Neugierde der Mitarbeiter?

 

„Millennials fordern kontinuierliches Lernen – 42 Prozent werden die Firma verlassen, wenn sie nicht genug lernen.“ Gartner / CEB 2018 Shifting Skills Survey n = 7.101

 

Beschleunigen Sie die digitale Transformation mit dem Wandel der Unternehmenskultur

Bei Novartis hat die Auseinandersetzung mit diesen Fragen zu einer Anpassung ihrer Unternehmenskultur geführt. Ein wesentlicher Teil dieser Strategie besteht darin, die Skills seiner Mitarbeiter zu erhöhen und damit die Leistungsfähigkeit sowie die Zufriedenheit zu steigern. Hierzu richtet sie ihre Unternehmenskultur an drei Punkten aus:

  1. Begeisterung: Die Begeisterungsfähigkeit ist entscheidend für die stetige Motivation Neues zu lernen und hilft, sich und seine Ideen im Unternehmen einzubringen.
  2. Neugierde: Sei ein Lernender, nicht ein Wissender! Die Neugierde seiner Mitarbeiter anzuspornen erhöht die Lernbereitschaft und ermöglicht eine tiefergehende Auseinandersetzung mit zu lösenden Problemen, aus der innovative Lösungen hervorgehen.
  3. Hierarchieabbau (Unboss): Anstatt Lösungen zu diktieren, wird mit der Delegierung von Entscheidungskompetenzen an Teams das Verantwortungsbewusstsein gesteigert.

 

„High Performers wollen lernen – 91 Prozent sagen, dass es wichtig ist, für einen Arbeitgeber zu arbeiten, der Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.“ Ceridian 2017

 

Mit einer internen Lernplattform Neugierde fördern

Um den Erkenntnissen aus den Studien und Umfragen Rechnung zu tragen und die Unternehmenskultur in diesem Sinne anzupassen, gründete Novartis für seine Angestellten eine umfassende Lernplattform, auf der sie mittels verschiedener Formate Lerninhalte zur Verfügung stellen. Neben Sprachkursen bieten sie auch Online-Kurse an über zweihundert Universitäten und viele Vorträge und Podcasts zu verschiedensten Themen an.

 

„70 Prozent der Arbeitnehmer beherrschen die heute benötigten Fähigkeiten nicht.“ Gartner / CEB 2018 Shifting Skills Survey n=7.101.

 

Das Ziel ist es, die dem Menschen innewohnende Kraft der Wissbegierde zu entfesseln, damit sie die Hemmungen und Ängste vor dem Lernen überwinden. Auf diese Weise werden die Angestellten in einem breiteren Rahmen intellektuell gefordert und entwickeln so ihre Fähigkeiten weiter. Eine breitere Wissens- und Fähigkeitenbasis steigert nachweislich die Leistungsfähigkeit und Flexibilität der Mitarbeiter.

 

„19 Prozent des derzeitigen Skillsets werden in drei Jahren irrelevant sein.“ Gartner / CEB Q1 2018 Global Labor Market Survey n=21.247

 

Strategie wird ein voller Erfolg

Die überwältigend hohe Inanspruchnahme dieser Lernmöglichkeiten bestätigt den Bedarf und die Bereitschaft der Angestellten ihre Fähigkeiten auszubauen und rechtfertigt die hierfür erbrachten Anstrengungen und Kosten. Obwohl die Lernplattform viele verschiedene – auch branchenfremde – Lerninhalte anbietet, entscheidet sich eine Mehrzahl dafür, ihre Resilienz für das digitale Zeitalter zu erhöhen und sich Fähigkeiten anzueignen, die eine agilere Arbeitsweise ermöglichen und ihre digitalen Skills steigern. Kurse, die das Programmieren sowie den Umgang mit Bots und die Automatisierung von Arbeitsschritten vermitteln, erfreuen sich besonderer Beliebtheit.

 

“Ich glaube, dass die rasanten Veränderungen in der Welt, die mit der Beschleunigung der Globalisierung und der Digitalisierung zusammenhängen, das Lernen heute noch wichtiger machen als in der Vergangenheit.” Simon Brown, Chief Learning Officer, Novartis

 

Feststeht: Die Investition in die Bildung und Weiterbildung der Mitarbeiter zahlt sich aus und das Lernangebot wird auch gerne angenommen. Durch die Ausrichtung der Unternehmenskultur am kontinuierlichen Lernen erhöht sich nicht nur die Produktivität und Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter, es steigert auch die Attraktivität des Unternehmens für bereits gut ausgebildete und motivierte Talente. Somit ist ein dreifach positiver Effekt auszumachen, der sich selbstverständlich auch auf das Geschäftsergebnis auswirkt.

Während Simon Browns Vortrages und der anschließenden Diskussionsrunde des Life Sciences Leader Forums wird eines klar: Die Digitalisierung ruft nicht nur einen technologischen Wandel hervor, sie initiiert einen Wandel der Arbeitsweise, der wiederrum eine Anpassung der Arbeitskultur erfordert. Um das volle technologische Potential nutzen zu können und auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen den Wandel der Arbeitskultur unterstützen.

Diesen Wandel anzustoßen, Ängste zu überwinden, mit Klarheit und Authentizität diese Kultur einzubeziehen und den Übergang vom Wissen zum Lernen zu vollziehen, indem man den Mitarbeitern Wachstumschancen bietet, die über das gewohnte Maß hinausgehen – das ist die Herausforderung. In dem unendlichen Transformationsprozess, in dem wir uns befinden, gibt es keine endlichen Ziele. Die Strategie ist es, ein Grad an Flexibilität zu erreichen, der uns die Anpassung an den kontinuierlichen Wandel erleichtert – das beste Werkzeug dafür ist die stetige Weiterbildung und ein hohes Maß an geistiger Beweglichkeit.