In der heutigen Zeit müssen sich Versicherer mehr als bisher mit ihren Kunden und deren Bedürfnissen beschäftigen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen sich die Versicherungsinstitute ein klares Bild ihrer eigenen Stärken und Schwächen machen und den Mut haben, sich neuen Partnern und Wettbewerbern zu öffnen. Der Einsatz von Distributed-Ledger-Technologien wie Blockchain kann dabei helfen, die Weichen zu stellen.

Der Aufbau, der Betrieb und die Integration einer Blockchain-/DLT-Plattform mit dazugehörigen Lösungen benötigt ein sehr gutes Governance Model und Change Management. Das Governance Model einer Blockchain-/DLT-Plattform wird von dem Betreiber vorgegeben, die

Prozessverantwortlichkeit ist wiederum von dem jeweiligen Geschäftsprozess und seinem Initiator abhängig. Demnach werden auch die Versicherer ihre Unternehmens- und Netzwerkkultur mittels des Change Managements anpassen müssen.

Die Herausforderungen für das Management, die der Betrieb einer Blockchain-/DLT-Plattform mit sich bringt, ist zum einen die Definition der zukünftigen Rolle der Versicherer und zum anderen die Vorbereitung von Unternehmen und Mitarbeitern auf die zukünftigen Geschäftsbedingungen und Arbeitsmethoden im Rahmen eines Change-Prozesses.

Der Markt für Blockchain-/DLT-Plattformen besteht aktuell aus fragmentierten Angeboten, die sich häufig überschneiden oder komplementär genutzt werden. Dies erschwert den Entscheidungsträgern die Auswahl richtiger Strategien. Eine weitere Herausforderung ist die technische Umsetzung in der Entwicklung und Integration von neuen Geschäftsmodellen und der Optimierung bestehender.

Um eine dezentrale Plattform aufzubauen, ist branchenspezifische Prozess-Expertise äußerst wichtig. Die Wahl der passenden Plattform und deren Technologie ist ebenso entscheidend wie die Wahl der Beratungspartner. Diese sollten ein breites Wissen zum Branchen- und Technologiespektrum vorweisen.

Diese Beratungsleistungen erfolgen in der Regel von neutralen und unabhängigen Dienstleistern, die meist als Konsortialführer dieser Plattformen und Lösungen fungieren.

 

Plattformen, Frameworks und deren Teilnehmer

Heute gibt es eine Vielzahl an Blockchain-/DL-Technologien – sehr häufig sind sie als Open Source-Plattformen und Frameworks verfügbar.

Die Frameworks dieser DLT-Plattformen basieren mitunter auf der von dem Startup R3 entwickelten „CordaR3 Distributed Legder Platform“ wie auch auf dem vom Open Source Projekt Hyperledger entwickelten „Hyperledger Fabric Distributed Ledger Framework“ und werden auf Grund der Wahrung der Privatsphäre (Geschäftsdaten und Transaktionen) bevorzugt in der Versicherungs- und Finanzbranche eingesetzt. Daneben existieren auch Blockchain-Plattformen, die beispielsweise auf der Ethereum-Technologie basieren und verstärkt bei der Speicherung und Verteilung von Assetdaten und Finanztransaktionen in unterschiedlichen Branchen Anwendung finden.

Aufbauend auf den unterschiedlichen Blockchain-/DL-Technologien existieren bereits fach- und branchenbezogene produktive Plattformen und Lösungen.

Grafik Nutzer DL Technologien

In der Versicherungsbranche betreibt beispielsweise das Startup B3i.tech ein eigenes Produkt, das auf dem Distributed Ledger-Framework Corda R3 basiert. Dabei handelt es sich um eine Lösung für Rückversicherungsanträge für Sachkatastrophenüberschüsse (XoL). Bisher nutzen erfolgreich mehrere internationale Versicherer und deren Kunden diese Lösung.

Für Handelsgeschäfte in der Finanz- und Logistikbranche bieten verschiedene Anbieter Plattformen mit Branchenlösungen an, die auf unterschiedlichen DL-Technologien wie dem Corda R3 Framework und dem Hyperledger Fabric basieren. Zu den Teilnehmern gehören internationale Banken, Finanzinstitute als auch Versicherer.

Dokumente und Daten von realen Assets werden als sogenannte digitale Zwillinge durch die evan.network-Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie Ethereum für unterschiedliche Branchen bereitgestellt. Die Daten werden im Kontext von branchenabhängigen Geschäftsprozessen von den Teilnehmern und Parteien der Plattform genutzt.

 

Die Privatsphäre bei Transaktionen

Im Kontext von Geschäftsprozessen in der Versicherungs- und Finanzbranche ist es wichtig, die Transaktionsdaten vor unberechtigtem Zugriff zu schützen und so die Privatsphäre zu wahren.

Die Wahrung der Privatsphäre wird von dem Corda R3-Framework als auch von der Hyperledger Fabric gewährleistet – die Umsetzung ist jedoch unterschiedlich.

Ethereum dagegen besitzt kein direktes Konzept zum Schutz der Transaktionsdaten. Mit dem Open Source-Framework profitiert Ethereum jedoch von einer großen Entwicklergemeinde, die bereits ähnliche individuelle Konzepte zum Schutz der Privatsphäre entwickelt hat. Dadurch gilt Ethereum auch als Basis für individualisierte Blockchain-Lösungen.

So entstehen private und zugangsbeschränkte Versionen der Ethereum-Blockchain. Diese ermöglichen die Vertraulichkeit von transaktionsbezogenen Daten, indem sie nur den zugriffsberechtigten Transaktionsparteien, nicht aber dem gesamten Netzwerk zugänglich sind.

 

Fazit

Vertrauen, Sicherheit und Transparenz von Daten und Prozessen sind sowohl für Kunden und Firmen jeglicher Branchen als auch für die Allgemeinheit wichtige Faktoren.

In Krisen- und Katastrophenfällen zeigt sich, dass der Anspruch an Vertrauen und Transparenz im Allgemeinen steigt. Vor allem wenn Personen und Firmen ihre Existenzen in Gefahr sehen, werden vertrauensvolle Informationen sehr schnell benötigt.

Die Integration von Blockchain- und DLT-fähigen Lösungen in bestehenden Systemlandschaften und Anwendungsprozessen fördert nicht nur das Vertrauen, die Sicherheit und Transparenz durch eine schnelle und effektive Vernetzung von Daten, Prozessen und den beteiligten Parteien, sondern gewährleistet einen sicheren und stabilen Geschäftsablauf auch während schwieriger Krisen.