Nur wenige Unternehmen haben so mit den Problemen veralteter Technologie zu kämpfen wie die großen Versicherer.

Die zehn größten Versicherungsunternehmen der Welt sind durchschnittlich mehr als 130 Jahre alt. In dieser Zeit haben sie ein fragmentiertes Stückwerk aus stark individualisierten Anwendungen aufgebaut, die es ihnen zunehmend schwerer machen, das Unternehmen zu transformieren, um im digitalen Zeitalter relevant und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Kunden wollen neue Produkte in Sekundenschnelle kaufen können und sofortigen Zugang zu Informationen über bestehende Verträge erhalten. Doch sie werden ausgebremst durch jahrzehntealte Prozesse mit überholten Schadensregelungen, Versicherungspolicen und Risikoprüfungssystemen. Wie eine Studie des Branchenanalysten teknowlogy Group zeigt, rechnen 50 Prozent der Versicherer damit, dass sich ihre Softwareanwendungen als ein noch größeres Hindernis für die Erreichung ihrer Geschäftsziele erweisen werden. 94 Prozent geben an, dass die Modernisierung vorhandener Systeme entscheidend sei für die erfolgreiche Umsetzung ihrer digitalen Strategie.

Wie also können Versicherungsunternehmen diese Herausforderung meistern? Der Trend zum radikalen Komplettaustausch mehrerer Altsysteme durch eine einzige, neue Plattform vor Ort hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre nach und nach erledigt. Dies liegt unter anderem daran, dass es für Versicherer äußerst schwierig ist, eine Plattform zu finden, die all die einzigartigen Anforderungen unterschiedlicher Produktlinien und Gebiete erfüllen kann. Außerdem kann es sich kein Versicherungsunternehmen leisten, zwei oder drei Jahre bis zur Implementierung und Integration eines neuen Systems zu warten.

Ein Lösungsansatz bestand darin, das Erscheinungsbild und die Handhabung von Legacy-Anwendungen zu verbessern, indem das Geschäftsprozessmanagementsystem quasi digital verpackt wurde. Wie der Chief Information Officer der Allianz kürzlich berichtete, haben viele Versicherungsunternehmen sich in den letzten zehn Jahren für diesen Ansatz entschieden, müssen jetzt jedoch „in den sauren Apfel beißen“ und eine grundlegende Transformation ihrer bisherigen Infrastruktur in Angriff nehmen.

Dabei stehen jetzt vor allem Initiativen im Mittelpunkt, mit denen Versicherungsunternehmer den Wert ihrer vorhandenen Assets schneller realisieren können. Eine zunehmend beliebter werdende Option ist das Refactoring und Reengineering vorhandener Workloads in eine moderne, cloudbasierte Infrastruktur. Das Ziel ist, eine neue Umgebung zu schaffen, die ein umfassend verbessertes Benutzererlebnis ermöglicht. Die Migration kritischer Elemente aus diesen Systemen auf eine agilere Plattform ermöglicht den Versicherungsunternehmen ganz neue Einblicke, wenn sie ihre Daten für Tools zur erweiterten Analyse öffnen. Außerdem wird die Markteinführungszeit für neu entwickelte Produkte und Services verkürzt.

Immer häufiger fällt die Entscheidung auch auf cloudnative Anwendungen oder auf Software-as-a-Service (SaaS). Während sich die Versicherer zögerlich zeigen, groß angelegte Versicherungsabschluss- oder Schadensabwicklungsplattformen durch verbrauchsabhängige Services zu ersetzen, haben viele SaaS als eine Möglichkeit zur Unterstützung neuer Produktlinien eingeführt. Eine komponentenbasierte Konfiguration ermöglicht es den Unternehmen, Änderungen an SaaS-Lösungen viel schneller vorzunehmen, als es dauern würde, ein altes lokales System neu zu kodieren.

Dies hat zur Folge, dass eine wachsende Zahl von Versicherern einen Cloud-First-Ansatz für ihre Anwendungs-Roadmap wählt. Nach Prognosen der teknowlogy Group werden Versicherungsunternehmen ihre SaaS-Ausgaben in den nächsten fünf Jahren um mehr als 20 Prozent erhöhen. Bis 2022 werden SaaS-Investitionen mehr als ein Drittel aller Softwareinvestitionen im Versicherungssektor ausmachen; aktuell sind es noch 19 Prozent. Die Union Insurance Company ist ein Beispiel für einen Versicherer, der SaaS zum Kernstück seiner zukünftigen Anwendungsstrategie gemacht hat.

Der technologische Wandel hat sich in der Versicherungsbranche langsamer vollzogen als in anderen Sektoren, was zum Teil auf das Fehlen einer echten disruptiven Kraft zurückzuführen ist. Doch angesichts jüngerer Konsumenten, die traditionellen Versicherungsprodukten zunehmend den Rücken kehren sowie eines neuen Konkurrenzdrucks durch neue und etablierte Marken, müssen Versicherer schnell handeln, um dafür zu sorgen, dass sie agil genug sind, um relevant zu bleiben.

Hier sind einige wichtige Überlegungen, die führende Strategen in Versicherungsunternehmen bei der Planung der nächsten Phase ihrer Strategie zur Modernisierung ihrer Anwendungen berücksichtigen sollten:

Machen Sie den Wandel zum Business Case. Es reicht nicht aus, einfach nur zu sagen, dass Sie alte Systeme loswerden wollen. Wie sieht das zukünftige Geschäftsmodell Ihres Unternehmens aus? Werden die Systeme die zukünftigen Geschäftsanforderungen im Hinblick auf Flexibilität und Skalierbarkeit erfüllen?

Sehen Sie sich an, was die anderen Player auf dem Markt tun, um zu erfassen, wie schnell der Wandel wirklich vonstattengeht. Die meisten Programme zur Transformation von Anwendungen fangen klein an und gewinnen an Dynamik, wenn eine neue Plattform oder ein neuer Ansatz sich erst einmal bewährt hat.

Ziehen Sie SaaS als Lösung in Betracht, wenn es darum geht, die Einführung einer neuen Produktlinie oder einer neuen regionalen Aktivität zu unterstützen. Cloudbasierte Lösungen mögen sich nicht als Ersatz für große Versicherungsabschluss- und Schadensabwicklungsplattformen eignen, können jedoch die Agilität für neue Tätigkeitsbereiche bieten, die eine schnelle Skalierung nach oben oder unten erfordert.

Erwägen Sie einen IT-Servicepartner hinzuzuziehen. Die Plattformtransformation erfordert Fähigkeiten, die möglicherweise derzeit nicht in Ihrer eigenen IT-Abteilung vorhanden sind. Bei der Auswahl eines IT-Dienstleistungspartners sollten Sie die notwendige Kosteneffizienz mit der Gewissheit in Balance bringen, dass das Unternehmen über ausreichend relevante Branchenerfahrung in der Arbeit mit den wichtigsten Versicherungsplattformen in Ihrer Region und in Ihrer Größenordnung verfügt.