Die digitale Transformation muss auf einer soliden technologischen Basis beruhen, die durch innovative, Cloud-native-Anwendungen und modernisierte zentrale Unternehmensanwendungen einzigartige Kunden- und Mitarbeitererfahrungen ermöglicht.

Um diese flexible, agile und skalierbare und zugleich stabile, vertrauenswürdige und resiliente digitale Plattform zu schaffen, greifen immer mehr europäische Unternehmen auf Hyperscale-Cloud-Plattformen als zentralen Baustein zurück. Wie die Mischung aus Public Cloud, Private Cloud, gehosteter Private Cloud und On-Premises-IT aussieht, ist je nach Unternehmen sehr unterschiedlich. Während einige Unternehmen die vollumfängliche Verlagerung in die Cloud planen – oder diese bereits vollzogen haben –, betrachten andere ihre Private Cloud auch weiterhin als wichtigstes Element ihrer digitalen Plattform.

Treibende Kraft für die Einführung einer Multi-Cloud-Umgebung ist der Trend zur plattformbasierten Entwicklung rund um die großen Cloud-Plattformen und durch andere neue Anwendungsplattformen/Communitys und Branchenplattformen. Bei der Bereitstellung eines Innovationsmodells für gemeinsam genutzte Technologie, darunter Technologien wie Container und serverloses Computing, die eher modulare Anwendungen unterstützen, kommt es zu einer erhöhten Wiederverwendung von Code, wodurch die Innovation letztlich vervielfacht wird. Multi-Cloud-Lösungen bilden die Grundlage für beschleunigte Innovation auf der digitalen Plattform.

Ein Unternehmen, das die Experimentierphase in der Cloud hinter sich lassen und mehrfache Innovation nutzen möchte, muss sich zunächst einmal um die Rationalisierung seines aktuellen Technologieportfolios kümmern. Bei diesem Prozess wird die Anzahl sich überschneidender und unkoordinierter Anwendungen reduziert, um den Weg frei zu machen für modernere digitale Anwendungen. Geprüft wird die Effizienz von Anwendungen, ihre technologische Eignung, der funktionale und geschäftliche Wert, die Abdeckung von Geschäftsprozessen und Lücken, Auslastung und Leistung sowie die Anwendungsreife. Sobald die Anwendungslandschaft gründlich verstanden wurde, kann sie in eine Multi-Cloud-Umgebung migriert werden.

Der Aufbau der digitalen Plattform auf einer Vielzahl von Public und Private Cloud-Umgebungen bringt viele Vorteile mit sich, darunter Agilität und Zugang zu Innovationen und Ökosystemen. Aber natürlich nimmt dadurch auch die operative Komplexität enorm zu. Die größten Herausforderungen sind das Kostenmanagement der Multi-Cloud-Umgebung, da eine unzureichende Kenntnis der Kostentreiber besteht, die Governance-Prozesse, die nicht für das Multi-Cloud-Zeitalter geeignet sind, und die Geschäftsprozesse, die nicht für die Nutzung der Agilitätsvorteile der Cloud optimiert sind. Wenn beispielsweise eine Test- und Entwicklungsumgebung rund um die Uhr (24×7) online war, ist es sinnvoll, diesen Prozess nach der Migration in die Cloud auf 12×5 umzustellen, um Kosten zu sparen. Ein weiterer Kostentreiber ist der Datenfluss. Wenn der Datenfluss zur und von der Cloud und zwischen den Anwendungen schlecht strukturiert ist, können die Kosten außer Kontrolle geraten.

Die digitale Plattform muss vertrauenswürdig sein, um von den Benutzern akzeptiert zu werden. Deshalb ist das Voranbringen einer einheitlichen Sicherheitspolitik in einer Multi-Cloud-Umgebung wichtig – für mehr als die Hälfte der europäischen Unternehmen jedoch eine große Herausforderung. Ein einheitliches Identitäts- und Zugriffsmanagement über mehrere Cloud-Services hinweg ist besonders schwierig zu erreichen.

Um das Management der Multi-Cloud-Umgebung zu unterstützen, implementieren immer mehr europäische Unternehmen Cloud-Kompetenzzentren (Cloud Centers of Excellence, CCoE). Dabei handelt es sich um eine natürliche Weiterentwicklung von Cloud-Tiger-Teams, kleineren Change Agents in den Unternehmen. Cloud-Kompetenzen lassen sich im CCoE bündeln, und seine Mitglieder können über die Cloud Überzeugungsarbeit leisten und darüber hinaus dem Unternehmen Führung und Anleitung geben. CCoEs konzentrieren sich in der Regel zunächst auf die Entwicklung von Cloud-native-Anwendungen, beraten zunehmend aber auch zur operativen Komplexität von Multi-Clouds – und deren Reduzierung.