Im nächsten Monat wird mein CO2-Abdruck möglicherweise 20 Tonnen erreichen. Das ist das Doppelte des jährlichen Personendurchschnitts in Großbritannien, und das in nur einem Monat.

Warum? Ich reise aus beruflichen Gründen von meinem Wohnort London auf die andere Seite des Globus.

Und das nicht nur einmal, sondern dreimal: nach San Francisco, New York und Mumbai.

Ich war in den letzten 25 Jahren beruflich schon sehr viel unterwegs – warum also mache ich mir ausgerechnet jetzt Sorgen über diese recht außergewöhnliche Häufung von Interkontinentalflügen?

Es gab kurz hintereinander drei alarmierende Ereignisse:

  • Das neueste ist der UN-Bericht, eine wenig erfreuliche Lektüre, der zufolge wir mit dem Aussterben von einer Million Arten rechnen müssen.
  • Die Teilnahme meiner Tochter an einigen freitäglichen Schulstreiks im Zusammenhang mit der Bewegung Extinction Rebellion in London hat mich aufhorchen lassen. „Geh ruhig mit“, habe ich ihr gesagt, „aber lass dich nicht festnehmen und vernachlässige deine Prüfungsvorbereitungen nicht.“
  • Und schließlich hat auch Greta Thunbergs Zugreise nach Davos auf mich Eindruck gemacht.

Mit dem Resultat, dass ich zur Feier des 50. Geburtstags meiner Schwester in Paris mit dem Zug anreisen werde und zwischendurch nach San Francisco und New York fliege. Ich nehme an, ich fühle mich damit – geringfügig – besser.

Denn meine 20 Tonnen an CO2 bereiten mir noch immer Kopfschmerzen. Weltweit trägt der Luftverkehr zu 2 Prozent aller vom Menschen verursachten CO2-Emissionen bei. Natürlich werden auch Flugzeuge effizienter; zwischen 1968 und 2014 hat sich die Treibstoffeffizienz verdoppelt. Allerdings wird der Flugreiseverkehr Prognosen zufolge weiter zunehmen: Die jährlichen Passagierzahlen sollen sich bis 2037 verdoppeln und dann bei mehr als 8 Milliarden liegen. Jeder Effizienzgewinn wird anscheinend einfach von einer unerbittlich steigenden Nachfrage wettgemacht.

 

Können IT-Unternehmen und ihre Führung hier helfen?

Ich hoffe, die Antwort darauf ist positiv. Aus den Jahren, in denen ich für die Beaufsichtigung des Nachhaltigkeitsprogramms bei Fujitsu zuständig war, weiß ich, dass es auf zwei sich ergänzende Arten durchgeführt werden kann.

Die erste Möglichkeit ist eine nachhaltige IT. Sie gründet auf der Erkenntnis, dass die IT-Branche für nahezu 2 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist – also für die gleiche Menge wie der Flugverkehr. Klar, denn schließlich müssen all die vielen Rechenzentren am Laufen gehalten und dazu noch gekühlt werden. Wie Fujitsu und alle anderen großen IT-Firmen verfügt auch DXC Technology über einen ziemlich umfassenden Umweltplan.

Die zweite Möglichkeit ist wesentlich spannender: Dabei geht es um Nachhaltigkeit durch IT. Technologieunternehmen können negative Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren, indem sie innovative Lösungen entwickeln, die Reisen durch vollständig immersive Erfahrungen ersetzen und so eine echte Zusammenarbeit möglich machen. Die British Telecom hat 1990 eine eigene Initiative für Telearbeit unter dem Namen „Workabout“gestartet. Bis 2007 hat die mittlerweile in „BT Workstyle“ umbenannte Initiative des Unternehmens es sieben von zehn Mitarbeitern ermöglicht, flexibel zu arbeiten. Ganze 10 Prozent arbeiteten von zu Hause aus.

BT war wohl ein „Early Adopter“, und es ist klar, dass die Arbeit im Home-Office weiter zugenommen hat, denn Statistiken von 2018 zufolge arbeiten 70 Prozent der Berufstätigen mindestens einmal die Woche zu Hause. Möglich ist dies durch allgegenwärtige Konnektivität, intuitive Anwendungen und großartige Geräte. Cisco entwickelt beispielsweise bereits seit mindestens zehn Jahren entsprechende Produkte. 2009 vermittelte der Film Avatar einen höchst aufsehenerregenden Eindruck von Augmented Reality.

Doch meine jüngste Erfahrung mit der dreitägigen Remote-Leitung einer Schulung für 35 Personen, verteilt an zwei Standorten – Mumbai und London –, hat mir sehr deutlich gezeigt, wie begrüßenswert weitere Verbesserungen sind. Diese drei aufeinander folgenden Tage waren für alle Beteiligten ziemlich hart. Und auch wenn dieser spezielle Kunde führend ist im Bereich globaler Konnektivität, fühlte sich das alles doch sehr anders an, als mit den teilnehmenden Personen physisch in einem Raum versammelt zu sein. Nicht wirklich wie Augmented Reality, virtuelle Realität oder gar physische Realität.

Allerdings hat es mir eine weitere Reise nach Indien und fünf zusätzliche Tonnen CO2 erspart. Und allein dafür bin ich dankbar.