Dieser Artikel ist ursprünglich in The Telegraph erschienen. Seine Veröffentlichung erfolgt mit Genehmigung von The Telegraph.

 

Das digitale Zeitalter sorgt dafür, dass Branchen jeglicher Art in den Sog der Transformation geraten. Das gilt auch für die Versicherungsbranche, die bemüht ist, diese Phase des Umbruchs für sich zu nutzen.

Angesichts des dadurch entstehenden Drucks zeigen Geschäftsmodelle, die sich jahrzehntelang bewährt haben, erste Ermüdungserscheinungen, so Brian Bacsu, Global Chief Technologist für Versicherungen bei DXC Technology.

„Wie alle Branchen sind auch die Versicherer mit einer neuen Verbrauchergeneration konfrontiert, die mit dem Internet und mobilem Zugriff aufgewachsen und stets und überall online ist.“

„Die Entwicklung neuer Technologien wie beispielsweise der Cloud hat die IT grundlegend verändert und die Erwartungen der Kunden erhöht. Dadurch wird der digitale Wandel in diesem Sektor maßgeblich vorangetrieben. Um voranzukommen und die damit verbundenen Chancen zu nutzen, müssen die Versicherer diese Technologien schnell und effektiv einführen.“

Die stete Beschleunigung der Digitalisierung bedeutet, dass sowohl das Versicherungssystem an sich als auch die Art und Weise, wie Versicherer arbeiten, einer Revision bedürfen. Die Branche stehe vor der Umkehrung der traditionellen, bisher von innen nach außen gerichteten, Geschäftsdynamik zu einer von außen nach innen gerichteten, so Bacsu.

„Statt Versicherungsprodukte intern zu entwickeln und dann dem Markt zu präsentieren, wie es seit Jahren der Fall ist, wird die Produktentwicklung zukünftig von den Bedürfnissen der Verbraucher diktiert. Diese Perspektive ist von grundlegender Bedeutung für alle Aspekte der strategischen Planung von Versicherern.“

Angesichts der Tatsache, dass es noch nie einfacher war, die Versicherung zu wechseln, ist auch die Kundentreue in Gefahr. In der Branche hat dies zu der Erkenntnis geführt, dass Produkte einfacher zu verstehen und zu nutzen sein sowie dem Kunden einen höheren Mehrwert bieten müssen – etwas, das sich durch den Zugriff auf verfügbare Daten einfacher umsetzen lässt.

„Die Branche ist von jeher datenintensiv, doch wurden viele dieser Daten nie erschöpfend genutzt“, sagt Bacsu. „Durch die Digitalisierung aller verfügbaren Daten und die Investition in Plattformen zur Datenanalyse erhalten Versicherer die Einblicke und Werkzeuge, um mit Kunden sinnvollere Gespräche über deren weitere Anforderungen zu führen, anstatt sich nur mit der Abwicklung einfacher Standardpolicen zu beschäftigen.“

Versicherungen haben schon immer auf ein komplexes und oft sehr umfassendes Zahlenwerk zurückgegriffen, um beispielsweise eine Versicherungsprämie zu berechnen. Doch heute kann die Datenfülle viel genauere Auskünfte über die Lebenssituation der Kunden liefern und somit die Entwicklung von personalisierten Dienstleistungen oder Produkten erleichtern.

Gestützt von robusten Daten- und Analysesystemen verspricht der Aufstieg von KI-fähigen Plattformen und Ökosystemen ein hyper-personalisiertes Kundenerlebnis in Form von hochgradig personalisierten Versicherungspolicen und einem Versicherungsschutz, der auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten ist.

Ein derart intelligentes System könnte nicht nur präziser und kostengünstiger sein – es könnte zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal werden. Dann gäbe es nur noch jene Versicherer, die es nutzen und den geänderten Kundenanforderungen gerecht werden, und diejenigen, die mit viel älteren Methoden arbeiten, mit den Marktanforderungen nicht mithalten können und das Nachsehen haben.

 

Zeit für etwas Neues

Eines der größten Hindernisse für den digitalen Wandel werden die Altsysteme der Versicherer sein; geschlossene Systeme und Infrastrukturen, die enorme Investitionen erfordern und deren Verstrickung sich oft rankenähnlich über Systeme und Prozesse erstreckt und so eine effiziente Veränderung erschwert.

„Das einfache Hinzufügen weiterer Technologieschichten ist keine Option“, so Bacsu. „Versicherer müssen sich der API-Ökonomie öffnen, in der geschlossene Systeme geöffnet werden, um die Entwicklung von Ökosystemen und vernetzten Plattformen zu ermöglichen, die API-Zugriff unterstützen. Dies ist entscheidend, um die neuen branchenspezifischen Funktionen und Fähigkeiten unterbringen zu können. Geschlossenen Systemen ist dies nicht möglich, aber durch die Modernisierung und den Umstieg auf API-fähige Plattformen können die neuen Möglichkeiten genutzt werden.“

APIs (Application Programming Interfaces) ermöglichen es Dritten innerhalb eines Unternehmens zu interagieren, indem sie einen Service ausführen oder ein Tool bereitstellen, und das in der Regel, ohne die Integrität oder die Sicherheit des Gesamtsystems zu beeinträchtigen. Wichtig ist auch, dass Unternehmen diese Tools ohne den für die Entwicklung einer eigenen Version erforderlichen Zeit- und Arbeitsaufwand nutzen können.

Die Zusammenarbeit zwischen Versicherern und den Partnern, die solche Services anbieten können, wird für einen schnellen und effektiven digitalen Wandel von entscheidender Bedeutung sein. „Versicherer brauchen den richtigen Partner, der ihre Branche und deren spezifische Anforderungen und Herausforderungen kennt“, so Brian Bacsu. „Die Zeiten, in denen man alles selbst gemacht hat, sind vorbei.“