In Zukunft wird jeder Verbraucher seine eigene Lieferkette haben. Das mag heute noch nicht machbar oder gar notwendig erscheinen, wird aber letztendlich für Unternehmen den einzigen Weg darstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Immer mehr Produkte werden personalisiert und auf bestimmte Anforderungen abgestimmt. Konsumenten können Computer, Schuhe oder Autos kaufen, die speziell für sie gefertigt wurden. Erfolgreiche Unternehmen müssen sich dieser geänderten Erwartungshaltung anpassen und das nicht nur in der Fertigungsphase. Logistik- und Lieferkettenprozesse erfordern eine flexiblere Planung, die stärker auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt ist. Kunden erwarten nicht nur ein tolles Einkaufserlebnis, sondern auch eine nahtlose Customer Journey, und dazu gehört auch die Lieferung an jeden Ort zu jeder Zeit.

 

Transparente und automatisierte Lieferkette

Automobilhersteller, die über eine vollständig transparente und automatisierte Lieferkette verfügen, werden zukünftig eine starke Konkurrenz darstellen; um die Zufriedenheit der Kunden zu erreichen, braucht es jedoch Synergien zwischen Unternehmen – auch zwischen Wettbewerbern. Dieser neue, kundenorientierte Ansatz erhöht die Komplexität aller Prozesse. Die Automatisierung sorgt jedoch für den nötigen technologischen Wandel der Lieferketten und lässt diese flexibler werden.

Um den Wechsel von einer nahezu linearen Lieferkette zu diesem neuen Modell nachvollziehen zu können, müssen wir weit in die Vergangenheit zurückgehen.

 

Niedrige Komplexität bei Fließbandproduktion

Henry Ford hat einmal gesagt: „Jeder Kunde kann sein Auto in der gewünschten Farbe bekommen, solange diese Farbe schwarz ist.“ In den Anfängen von Fords Model-T-Produktion am Fließband waren Lieferkette und Logistik nicht sehr komplex. Ford produzierte einen Fahrzeugtyp in einer Farbe und mit identischer Innenausstattung. Niemand erwartete ein personalisiertes Auto; die Leute waren froh, überhaupt mobil sein zu können.

Dann begannen andere Unternehmen zur Herstellung von Autos Fließbänder zu nutzen, sodass Automobile für fast jeden auf der Welt zugänglich wurden. Die Zahl der Automobilhersteller stieg, die anfänglichen Rüstkosten sanken, die Märkte öffneten sich und die Technologie ermöglichte den weltweiten Verkauf und Transport von Waren.

Doch die Käufer gaben sich nicht länger nur mit dem Besitz eines Autos zufrieden. Sie wollten ein Auto, das zu ihnen passte. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, mussten Autohersteller eine Marktlücke finden – von teuren Luxuskarossen über schwere SUVs (Sport Utility Vehicles) bis zu erschwinglichen Massenmodellen. Kunden konnten die Farbe ihres Fahrzeugs und die Innenausstattung wählen, doch die Möglichkeiten der Individualisierung waren noch begrenzt.

Als schließlich der Qualitätsaspekt immer wichtiger wurde, lagen die deutschen Fahrzeughersteller weit vorne, da sie auf eine hochwertige Fertigung setzten. Irgendwann jedoch erreichte die Qualität der Produktionsanlagen aller Hersteller nahezu den gleichen Standard.

Von da an wurde die Individualisierung von Autos zu einem wichtigen Faktor. Der Trend, jedes Fahrzeug so einzigartig zu machen wie seinen Fahrer, hat in den letzten Jahren exponentiell zugenommen. Kunden können sich alle Funktionen und Services aussuchen, die sie sich wünschen. Zudem ist mit dem Hinzukommen von Elektro- und autonom fahrenden Autos die Zahl der Mitbewerber auf dem Automobilmarkt weiter gestiegen.

Und damit nimmt auch die Komplexität der Lieferkettenprozesse zu. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Hersteller die Produktionszyklen verkürzen und die Personalisierung erhöhen. Ford hat sich um die Personalisierung noch keine Gedanken gemacht, aber die Hersteller von heute müssen Fahrzeuge für bestimmte Kunden mit bestimmten Anforderungen fertigen.

 

Just-in-time-Fertigung

Um rechtzeitig auf den Markt reagieren zu können, erhöhen die Automobilhersteller die Flexibilität ihrer Produktion und richten zudem die Lieferkette so aus, dass sie Zubehörteile zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhalten. Die Just-in-time-Produktion entwickelt sich schnell zum neuen Standard in der Fertigungsindustrie. Allerdings sind zahlreiche Lieferkettenprozesse nach wie vor ineffizient und basieren auf manuellen Prozessen, sodass die Hersteller als Nächstes den Grad der Automatisierung erhöhen müssen.

Es reicht ein Blick auf zwei Unternehmen, deren Wert kürzlich auf eine Billion US-Dollar beziffert wurde: Amazon und Apple. Beide sind besessen von Lieferkettenmanagement und Logistik, und nutzen Logistik als einen zentralen Faktor für die Ertragssteigerung.

Amazon zum Beispiel verbessert ständig Service und Angebot, indem es den größten Teil der Wertschöpfungskette kontrolliert. Damit will das Unternehmen seine Kunden glücklich machen und sicherstellen, dass es das beste Einkaufserlebnis bietet. Und dazu gehört auch eine bessere Koordination und Kontrolle von Lieferketten und Logistik.

 

Transformation von Lieferkette und Logistik noch im Anfangsstadium

Die Transformation von Lieferkette und Logistik befindet sich noch im Anfangsstadium. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass alle Verbraucher in einigen Jahren in der Lage sein werden, durch die vollständige Transparenz und Automatisierung der Aufgaben ihre eigene Lieferkette zu koordinieren. Die Produkte werden zu dem Zeitpunkt und an dem Ort hergestellt und geliefert, den der Kunde erwartet. Unternehmen, die diesen komplexen Weg zu Digitalisierung und Automatisierung meistern, werden ihrer Konkurrenz davonziehen.