Der Anteil der über 60-Jährigen an der Weltbevölkerung wird der Weltgesundheitsorganisation zufolge von 12 Prozent im Jahr 2015 auf 22 Prozent im Jahr 2050 steigen. Die dringende Frage ist, ob die Denkansätze der Technologieunternehmen mit der Zunahme der alternden Bevölkerung Schritt halten können.

Die schönen und glänzenden Objekte in der Technologieentwicklung sind meist für jüngere Generationen konzipiert. Jüngere Konsumenten besitzen eine größere Kaufkraft und haben in der Vergangenheit ihren Wunsch nach technologischem Fortschritt stärker zum Ausdruck gebracht.

Aber da sich der Anteil der über 60-Jährigen an der Weltbevölkerung verdoppelt, wären Technologieunternehmen gut beraten, sich dieser demografischen Entwicklung anzupassen – trotz ihrer geringeren Kaufkraft. Statt sich nur einen seniorenfreundlichen Anstrich zu geben, können sie ihre Geschäftstätigkeit so ausrichten, dass sie älteren Menschen auf subtilere und indirektere Weise dienlich ist.

So haben beispielsweise viele Senioren nicht das gleiche verfügbare Einkommen wie Millennials, doch wachsen die durch Versicherer subventionierten Ausgaben für die von ihnen konsumierten Güter und Dienstleistungen aus dem Gesundheitsbereich exponentiell im Vergleich zu den jüngerer Generationen.

Zieht Ihr Unternehmen jenseits spezifischer gesundheitsbezogener Produkte „seniorengerechte“ Lifestyle-Services als Teil des aktuellen Produktportfolios in Betracht?

Hierbei geht es nicht nur darum, Produkte für Menschen über 60 in Ihr Angebot aufzunehmen, sondern vielmehr darum, das Thema Senioren in Ihre Unternehmenskultur einzubinden. Haben Sie Mitarbeiter, die den Seniorenfaktor in Ihre Strategie einbringen? Ist Ihr Unternehmen global tätig? Wenn ja, ist Ihre Denkweise divers genug, um Produkte herzustellen, die nicht nur ältere Menschen allgemein ansprechen, sondern auch kulturelle Unterschiede in verschiedenen Märkten berücksichtigen? Worin unterscheiden sich – abgesehen von der Sprache – japanische Senioren von britischen Senioren?

Ein Bereich, in dem Produkte oder Dienstleistungen Senioren helfen können, ist bei der Bekämpfung von Einsamkeit. Studien – darunter eine Umfrage von AARP – zufolge ist Einsamkeit neben Adipositas und Diabetes mittlerweile eine der Hauptursachen für einen verfrühten Tod. Es versteht sich jedoch von selbst, dass die Entwicklung von Produkten, die die Einsamkeit von älteren Zielgruppen verringern, für die meisten Hersteller von Konsumgütern wenig sinnvoll wäre.

Ich persönlich habe Fälle erlebt, in denen allein die Interaktion von älteren Kunden mit Konsumgüterherstellern dazu geführt hat, dass es ihnen besser ging. Viele ältere Hamsterkäufer bekämpfen ihre Einsamkeit über sehr häufige Anrufe bei den Call-Centern von Teleshopping-Sendern. Auch wenn diese Sender Senioren nicht absichtlich zum Kauf verführen, schaffen sie durch ihr geschultes Verkaufspersonal am Telefon eine sehr beruhigende Atmosphäre für ältere Menschen, die so zum geringen Preis eines modischen Schmuckstücks oder ein Paar Hosenträgern „telefonische Freunde auf Abruf“ haben.

Das mag jetzt etwas zu dramatisch klingen, aber genau diese Gespräche – neben denen mit dem Zusteller bei der Lieferung – könnten einen Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Bedrückend ist jedoch, dass viele der älteren Käufer ihre Pakete gar nicht öffnen, da sie die Interaktion als das eigentliche „Produkt“ betrachten.

Ich will damit keineswegs andeuten, dass Unternehmen ihre Strategie anpassen sollten, um ältere Menschen dazu zu bringen, Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen. Aber Unternehmen sollten ihre Technologie seniorenfreundlicher gestalten, und das auch dann, wenn es nicht zu einer physischen Produkttransaktion kommt.

In einem Umfeld, in dem das richtige Verhältnis zwischen der Zeit, die für ein Kundengespräch online (oder am Telefon) aufgewendet wird und der gemessenen Kundenzufriedenheit eine entscheidende Rolle spielt, ist dies eine große Herausforderung. Klar ist jedoch, dass die Fähigkeit, das Kundenerlebnis seniorenfreundlicher zu gestalten, sich in Sachen Neukundengewinnung und Kundentreue bezahlt machen kann. Durch die Verbreitung sprachgesteuerter Geräte wie Alexa werden diese Interaktionen direkter und persönlicher, da das, was ich als Algorithmen der „künstlichen emotionalen Intelligenz“ bezeichne, sich immer weiterverbreitet und zuverlässiger wird.

Mit der großen Zahl von moderneren, digital engagierten Senioren, die auf den Markt drängen, wird das bisherige Stigma, dass ältere Menschen „digitale Einwanderer“ seien, verschwinden. Die beste Versicherung, um auf dieser neuen digitalen Welle mitreiten zu können, ist die Integration von Senioren in Ihr Unternehmen – nicht als Zielgruppe, sondern als unschätzbare interne Ressourcen.