Während in der ganzen Welt bereits erste fahrerlose Fahrzeuge auf den Straßen zu sehen sind, steht in Europa beim autonomen Fahren die Sicherheit an erster Stelle. Der ehemalige BMW-Chef Harald Krüger hat dies mehrfach betont: „Sicherheit hat Vorrang.“ Einige mögen Europa im Wettrennen um die Produktion autonomer Autos als die Schildkröte betrachten. Aber die strengen Tests und Sicherheitsvorschriften, die in Europa zur Anwendung kommen, könnten beim Zieleinlauf letztendlich doch für einen entscheidenden Vorsprung sorgen.

Welche Strategie auch immer gewinnen mag, ob die von unternehmerischen oder sicherheitstechnischen Faktoren abhängige, das Datenmanagement wird bei der Bereitstellung fahrerloser Fahrzeuge eine entscheidende Rolle spielen. Der Technologieanbieter DXC Technology arbeitet mit Automobilherstellern zusammen und bietet Datenmanagement in unzähligen Formen an. Die Sammlung, Speicherung und Analyse von Daten in Verbindung mit den zahlreichen und strengen Testzyklen der Hersteller sind die Formel zum Erfolg, sagt Jim Miller, Vice President und Chief Technology Officer der Cloud and Platform Services von DXC.

„Für die Hersteller kann die zentrale Erfassung der Daten für Analyse und maschinelles Lernen eine beträchtliche Herausforderung darstellen“, sagt Miller. Schwierigkeiten bereitet in erster Linie die schiere Menge der Daten. Die großen Testfahrzeugflotten der Automobilhersteller sind rund um die Uhr im Einsatz, und die riesigen Datenmengen müssen nach Mustern abgesucht werden, die helfen, die Algorithmen zu schreiben.

Eine weitere Herausforderung sei die Datenfusion, sagt Miller – das Zusammenführen mehrerer Datentypen. Beträchtliche Datenmengen stammen aus Videokameras, aus Radar- und LIDAR-Systemen (Light Detection and Ranging). Darüber hinaus würden gewaltige Datenmengen durch Sensoren zur Messung von Lenkrad- und Drosselklappenstellung, Geschwindigkeit und g-Kraft erzeugt, so Miller. „Die Liste geht noch weiter – und all diese Testdaten in ihren unterschiedlichen Formaten zeigen Muster auf, aus denen die Algorithmen lernen können“, fügt er hinzu.

Dass die Automobilindustrie für das Motto „Safety First“ steht, bedeute höchstwahrscheinlich, dass sie den allgemeinen Trend zur „blended AI“ – dem Zusammenwirken von Mensch und Algorithmus bzw. künstlicher Intelligenz (KI) – ablehnen werde, vermutet Miller. „Die Übergabe zwischen Fahrer und autonomen System klingt einfach, aber in der Realität ist es viel komplizierter“, sagt er und fügt hinzu, dass es im Notfall nicht immer möglich sein könne, dass ein Mensch eine komplexe Fahrsituation schnell genug erkennt, um sicher übernehmen zu können.

Sicher ist er sich allerdings bei den drei Faktoren, welche die Zukunft des autonomen Fahrzeugs bestimmen werden. „Technologie ist von grundlegender Bedeutung, aber Politik (einschließlich Governance und Umweltfaktoren) ist ein Schlüsselthema, das in der Branche in jeder Diskussion zur Sprache kommt“, sagt er. Der dritte Faktor sei der Fahrzeugbesitz. „Mit autonomen Fahrzeugen (AV) werden sich die Besitzverhältnisse im Automobilbereich wandeln. Es wird beispielsweise Mitfahrgelegenheiten und Fahrbahnen für stark belegte AVs geben, wo die Risiken geringer sind.“

Autonome Fahrzeuge werden wahrscheinlich in allen Formen und Größen produziert, aber Miller spricht lieber über Zukunftstrends als über bestimmte Modelle. Er denkt dabei an fahrerlose Fahrzeuge, die in der Lage sind, aus den Zielen der Fahrgäste eine optimale Route zu errechnen und damit auch die Kosten der Fahrt zu reduzieren. Wie er feststellt, sind selbstfahrende Autos auf dem Unternehmensgelände sehr beliebt. Hier werden seiner Ansicht nach wohl auch die ersten Fahrzeuge für mehrere Fahrgäste zum Einsatz kommen.

In den USA, wo die durchschnittliche Lebensdauer eines Autos bei elf Jahren liegt, wird der Austausch der nationalen Fahrzeugflotte Jahrzehnte dauern. Während dieser Zeit wird der Straßenverkehr aus einer Mischung aus herkömmlichen Fahrzeugtypen, Fahrerassistenz-Systemen (ADAS) und fahrerlosen Fahrzeugen bestehen. Miller geht davon aus, dass die Umstellung auf das autonome Fahren schrittweise erfolgt: „Automatische Notbremsung und Kollisionsvermeidung waren vor einigen Jahren noch Luxus. Mittlerweile gehören sie zur Standardausstattung.“