Ein kalter Morgen mit vereisten Stellen auf der Straße. Mein Auto schlittert, rutscht auf eine andere Spur und schaukelt heftig, während ich mit aller Kraft zu verhindern versuche, mit einem hinter mir fahrenden Jeep zu kollidieren. Mein Leben läuft in Sekundenbruchteilen vor meinem inneren Auge ab.

Dieser Beinaheunfall passierte mir auf dem Weg zu einem Kundengespräch nach Ann Arbor in Michigan. Der Verkehr war moderat und der Schnee vom Vortag geräumt. Ich musste ein Konferenzgespräch entgegennehmen – eine unliebsame und auch gefährliche Sache, weil ich dadurch abgelenkt war, und das, unter alles andere als idealen Bedingungen. Ironischerweise ging es in meinem Gespräch um Fahrerassistenzsysteme (Advanced Driver-Assistance Systems, ADAS) und autonome Fahrzeuge (Autonomous Vehicles, AVs).

Ein paar Kilometer später, kurz vor der Abfahrt, als ich begann die Fahrspur zu wechseln, sah ich in ein paar hundert Metern Entfernung vor mir im Nebel nur noch Bremslichter. Als ich wieder in meine ursprüngliche Spur zurücksteuerte, wurde mir schnell klar, dass der Jeep in meinem Rückspiegel im Begriff war, auf meinen Wagen aufzufahren. Ich habe kaum Erinnerungen an den Moment kurz bevor und nachdem mein Auto außer Kontrolle geriet, aber ich erinnere mich, dass die Zeit wie in Zeitlupe verging, während mein Herz raste. Kurz darauf stand ich mit dem Wagen auf dem Seitenstreifen, um den Kunden wegen eines neuen Termins anzurufen.

Brenzlige Situationen wie diese kommen viel zu häufig vor und führen leider oft zu Unfällen. Aber das Auto der Zukunft könnte das alles ändern – als perfekte Verbindung aus Sicherheit, Schutz, Infotainment und Komfort, bei der das Kundenerlebnis im Fokus steht.

 

Entspanntes Fahren trotz vereister Fläche

Lassen Sie uns meinen Beinaheunfall noch einmal rekapitulieren – nur dass ich dieses Mal in einem autonomen Fahrzeug sitze.

Zunächst einmal werde ich noch vor Verlassen meines Hauses von meinem Fahrzeug darüber informiert, dass die Straßenverhältnisse alles andere als ideal sind. Die Fahrzeit zu meinem Ziel wird dementsprechend länger sein, also sollte ich nicht mehr bei Starbucks anhalten, um mir einen Kaffee zu besorgen, wenn ich rechtzeitig bei meinem Kunden in Ann Arbor sein möchte.

Sobald ich losgefahren bin, wählt sich mein Auto für mich in die Skype-Videositzung ein, damit ich vor dem Kundentermin bequem letzte Dinge mit meinem internen Team absprechen kann. Der Wagen kommuniziert fortwährend automatisch mit den anderen Fahrzeugen um mich herum. Er überprüft regelmäßig die Straßenverhältnisse, navigiert sicher über mehrere vereiste Stellen und wechselt bei Bedarf die Fahrbahn, wobei er anderen Fahrzeugen, die sich möglicherweise im toten Winkel befinden, ausweicht. Es wählt auch eine günstiger gelegene Ausfahrt, die mich auf Landstraßen führt, auf denen ich schneller an mein Ziel gelange. Mein Wagen berechnet die auf der Strecke eingesparte Zeit und fragt mich, ob ich noch Lust auf einen Kaffee hätte. Da sage ich natürlich nicht nein.

Mein selbstfahrendes Auto verkörpert die fortschrittlichste, je von Menschen geschaffene Maschine und ist ausgestattet mit allen technologischen Innovationen der letzten Jahrzehnte. Mein Auto wird angetrieben von einer Brennstoffzelle, verfügt über eine 20G-Internetverbindung (nicht 5G), ist ausgestattet mit dem neuesten Quantum-Computerchip sowie mit zahlreichen LIDAR- und Radarsystemen, Tausenden von Sensoren, fortschrittlichem Edge-Computing, künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und der Cloud. Sie verstehen sicher, was ich meine.

 

Ein selbstfahrendes Rechenzentrum

Ein völlig autonomes Fahrzeug der Stufe 5 weiß, wer Sie sind, was Sie mögen und unter Umständen auch, mit wem Sie sich treffen, seien es Familienangehörige, Freunde oder Kunden. Es kennt Ihren Terminplan und möglicherweise auch Ihr Lieblingsrestaurant.

Beim Fahren achtet es proaktiv auf Verkehrszeichen, Ampeln, die Straßenverhältnisse und den Verkehr und überträgt diese Daten kontinuierlich an eine Cloud, die wiederum verschiedenen Interessensgruppen Einblick gewährt, wie beispielsweise Automobil-Erstausrüstern (OEMs) oder Automobilzulieferern, anderen Fahrern, Kommunen und Dienstleistern. Das Edge-Computing, mit dem verschiedene mechanische Komponenten des Autos ausgestattet sind, erkennt und liefert wichtige Signale an das Gehirn des Autos, z. B. zu der Eisfläche in knapp 150 Metern, wegen der ein anderer Wagen auf eine andere Fahrbahn gerutscht ist.

Das LIDAR-Fernerkundungssystem des Fahrzeugs erfasst diese Informationen und übermittelt sie an Lenkung und Bremsen, während das V2V-Kommunikationssystem (Vehicle-to-Vehicle) des Fahrzeugs ein Signal an alle nachfolgenden Fahrzeuge sendet. Der Spurwechselassistent zur Erkennung toter Winkel überprüft die Umgebung. Das Antiblockiersystem und der Schleuderschutz des Fahrzeugs werden aktiviert und die Lenkung bewegt sich, um die Spur zu wechseln, nachdem die Blinker des Fahrzeugs aktiviert wurden. Das Fahrzeug sendet alle Daten (Video, Straßenverhältnisse, Unfallgeschehen) in Echtzeit an verschiedene Parteien.

In Forschung und Entwicklung (F&E) sowie im Fahrzeugbau werden ADAS-Modelle bzw. Modelle für autonomes Fahren mithilfe der gewaltigen Datenmenge getestet, die bei Testfahrten gesammelt wurden. Da wir noch ganz am Anfang der AV-Revolution stehen, ist es noch ungewiss, wann die ersten Automobilhersteller Fahrzeuge der Stufe 5 auf den Markt bringen werden. Es gibt noch unzählige Anwendungsfälle zu testen.

Denken Sie nur an den Unterschied zwischen dem Flip-Top-Handy Anfang der 90er-Jahre und dem Smartphone von heute und multiplizieren Sie diese Komplexität dann mit einer Million. Das ist die Entwicklung, die wir beim autonomen Fahren erleben werden; angefangen mit den ersten autonomen Fahrzeugen, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, bis hin zu der nicht allzu fernen Zukunft, in der völlig autonome Fahrzeuge der Stufe 5 fest zum Alltag gehören werden. Ob mit oder ohne Eis – die Möglichkeiten sind endlos.