Wir sprechen nicht darüber. Uns ist das nur selten bewusst. Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Zusammenarbeit und Wertschöpfung setzt. In vielen Situationen sind Gespräche über Macht oder Politik negativ konnotiert und nur ungern gesehen.

Und dafür gibt es einen guten Grund. Das Streben nach Macht wird häufig als Machiavellismus wahrgenommen, der wiederum in Zusammenhang steht mit kontraproduktiven Verhaltensweisen wie Manipulation, zweifelhaften Managementpraktiken und damit, die Macht Einzelner über die Interessen des Unternehmens zu stellen. Irgendwie sind wir zu der Erkenntnis gelangt, dass es einen Fortschritt darstellt, über dieses Thema nicht zu sprechen. Wir möchten lieber nicht über Macht reden, um nicht als die Bösen zu gelten.

Doch das Problem verschwindet nicht einfach. Menschen, die mit machtbezogenen Kompetenzen geboren wurden (oder diese früh in ihrem Leben erworben haben), kommen ungehindert voran. Schlimmer noch, manchmal entgleitet uns Macht, und ohne bewusste Anstrengung können wir sie nicht zurückgewinnen. Das wiederum sorgt dafür, dass wir über zu wenig Macht verfügen, um unserer jeweiligen Verantwortung nachzukommen. Wir geraten aus dem Gleichgewicht und können unseren Beitrag für das Unternehmen nicht mehr leisten.

 

CFOs sind besonders anfällig

Der Chief Financial Officer (CFO) gilt manchmal als mächtiger als der Chief Executive Officer (CEO), da der CFO die Kontrolle über das Geld hat –, aber auch darüber wird nicht gern gesprochen. CFOs verwalten die Finanzen, sie entscheiden, welche Abteilungen profitieren, welche Projekte im Budget des Unternehmens liegen und welche zu teuer sind und gestoppt werden sollten.

Wer als CFO nicht wirklich etwas vom Unternehmensgeschäft versteht – weil er vielleicht nicht mit den neuesten Entwicklungen bei Markt und Technologie vertraut ist –, dessen Macht ist stark eingeschränkt. Trotz seiner finanziellen Expertise erzeugt ein CFO, der sich nur auf die Zahlen konzentriert, ein ernsthaftes Machtungleichgewicht, das negative Folgen auf die Beziehung zum Rest des Unternehmens haben kann.

 

Transparenz und Perspektive schaffen Abhilfe

Um Projekte richtig priorisieren zu können, müssen CFOs genau verstehen, worum es bei den vorgeschlagenen Projekten geht, und sie aus einer viel umfassenderen Perspektive als der rein finanziellen betrachten. Wardley Mapping stellt Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sich diese Perspektive gewinnen lässt.

Bei einer „Wardley Map“ handelt es sich um ein Diagramm, in dem eine Reihe von Abhängigkeiten (bezüglich der Anforderungen von Kunden) mit der aus vielen unterschiedlichen Merkmalen (einschließlich der Ungewissheit) bestehenden Produktentwicklung in Zusammenhang gebracht werden. Im nachfolgenden Beispiel geht es um den Energieverbrauch. So können wir beispielsweise sofort fragen, was „Anpassung an die Stromverfügbarkeit“ („adjusting to power availability“) bedeutet, welches Risiko und welche anderen Eigenschaften damit verbunden sind und wie und warum Investitionen in diese Komponente für unsere Kunden von Vorteil sind. Das Wichtige ist, dass das Diagramm neben den finanziellen Details auch den damit verbundenen Mehrwert veranschaulicht.

Ausgabenkontrollmechanismus

Das Erstellen eines solchen Diagramms zu einem Pflichtschritt für Projekte ab einer bestimmten Budgethöhe zu machen, zwingt zu einer ehrlichen Diskussion über die Zielsetzung des Projekts und die Rolle der daran beteiligten Personen. Letztendlich wird damit ein mögliches Macht- und Verantwortungsungleichgewicht aufgehoben, da der CFO mit einer umfassenderen Geschäftsperspektive ausgestattet wird.

Die Einrichtung eines derartigen Ausgabekontrollmechanismus obliegt eindeutig dem CFO und sollte zur Standardvorgehensweise gehören.

 

Über den Tellerrand hinaus lernen

Es nützt wenig, ein Finanzexperte oder überhaupt Experte zu sein, wenn das jeweilige Fachwissen nicht zum Vorteil des Unternehmens eingesetzt wird. Die Bereitschaft zu lernen und sich Wissen außerhalb des eigentlichen Fachgebiets anzueignen, gehört zu den wichtigsten Eigenschaften, die Experten Macht verleiht. CFOs, die das Geschäft – nicht nur die finanzielle Seite – genau kennen, sorgen dafür, dass ihre Macht ihrer Verantwortung entspricht.

Weitere Informationen zum Mapping finden Sie in Chris Daniels Artikel „Mapping #5: Restoring the Proper Balance of Power“ im Leading Edge Forum.