Kooperation sorgt für Innovation. Die Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern ist in der neuen Ära der digitalen Fertigung unerlässlich. Vor dem Hintergrund der Veränderungen, die digitale Technologien für Kundenanforderungen und den Betrieb von Produktionslinien mit sich bringen, suchen Hersteller nach Möglichkeiten, die neuen Herausforderungen gemeinsam mit anderen zu meistern.

Eine der größten Herausforderungen, mit der Hersteller konfrontiert sind, ist die Modernisierung der bisherigen Produktionslinien. Nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, eine ganze Fabrik von Grund auf neu zu gestalten. Was tun mit einer Produktionslinie, die vor einiger Zeit gebaut wurde, als es digitale Technologien noch gar nicht gab?

 

Suchen Sie den Kontakt zu Innovatoren

Eine der größten Innovationsplattformen Europas, Startup Autobahn, liefert ein Beispiel dafür, wie sich Probleme in der Fertigung durch Zusammenarbeit lösen lassen. Die ursprüngliche Idee zu Startup Autobahn geht auf den Automobilhersteller Daimler zurück. Diesem wurde klar, dass Startups und ihre innovativen Technologien in der Lage sind, bestehende Produkte, Dienstleistungen und Produktionsprozesse zu verbessern. Früher sind deutsche Traditionshersteller um die Welt geflogen, um sich mit Startup-Unternehmen zu treffen, doch dann beschloss Daimler, die Innovatoren nach Stuttgart zu holen. Als Fertigungszentrum besaß Stuttgart ein großes Potenzial, auch zum Innovationszentrum zu werden.

Mittlerweile hat sich Startup Autobahn zu einer offenen Plattform entwickelt, über die große Unternehmen gemeinsam mit Startups an Trends und Herausforderungen im Fertigungs- und Automobilsektor arbeiten. Diese Zusammenarbeit hat zwei Vorteile: Innovative Technologien werden eingebettet in große Unternehmen, und die Startups können von der Expertise dieser Unternehmen lernen, wie aus einer grundlegenden Idee ein starkes Unternehmen werden kann.

Versammlung bei der Startup Autobahn
Deep Dive Sessions bei Startup Autobahn. Partner von Startup Autobahn diskutieren gemeinsam mit Startups über eine mögliche Zusammenarbeit bei einer bestimmten Problemstellung in der digitalen Transformation.

Und wie funktioniert es?

Den ersten Schritt übernehmen im Allgemeinen Unternehmen wie Daimler, Porsche und DXC Technology, die zu Startup Autobahn gehören. Sie bestimmen, welche Trends und Herausforderungen im Fokus stehen sollen. Anschließend suchen sie nach Startups, die an den jeweiligen Technologien arbeiten, und wählen davon 25 bis 35 aus, mit denen sie dann über einen Zeitraum von 100 Tagen zusammenarbeiten. Dahinter steht die Idee, dass Startups und Unternehmen an gemeinsamen Lösungen und Prototypen arbeiten, die den Herstellern oder auch IT-Unternehmen wie DXC und dessen Fertigungskunden bei der digitalen Transformation helfen könnten. Die resultierenden Technologielösungen durchlaufen eine Test- und Evaluierungsphase. Die Lösungen, die diese Phase bestehen, werden in realen Umgebungen getestet und danach bewertet, wie komplementär sie zu bestehenden Technologien und Dienstleistungen sind. Auf diese Weise können die Unternehmen sehen, wie zuverlässig die neue Technologie ist und ob sie bei der Lösung einer spezifischen Herausforderung der digitalen Transformation helfen kann.

So arbeitet DXC beispielsweise mit Cybus zusammen. Das Startup entwickelt eine Software namens Cybus Connectware, das eine universelle Schnittstelle von den bestehenden und neuen Maschinen eines Herstellers zu internen und externen Systemen, Services und Anwendungen bereitstellt. Zusammen arbeiten die Unternehmen daran, Kunden einen effektiven Produktionsablauf zu ermöglichen. Cybus Connectware übersetzt Maschinensprache in interoperable Daten und gewährt Maschinendaten den Zugriff auf bestimmte Dienste. IT-Unternehmen, die End-to-End-Services anbieten, hilft dies bei der Entwicklung neuer Services für Fertigungskunden, wie z. B. Produktionsanalytik oder werksübergreifende Service-Orchestrierungen. So können sich Hersteller im Prinzip einen digitalen Zwilling ihrer Fertigung beschaffen, während sich all ihre Daten zur Durchführung verschiedener Dienste wie Wartungs- oder Lieferantenkooperationen an einem Ort befinden.

Brainstorming bei der Startup Autobahn
Deep Dive Sessions bei Startup Autobahn. Startup Autobahn Partner DXC Technology diskutiert gemeinsam mit Startups über eine mögliche Zusammenarbeit bei einer bestimmten Problemstellung.

Ein weiteres Startup, evan.network, begann mit der Bereitstellung einer Plattform, die ein automatisches Management von Verträgen zwischen einem Unternehmen und dessen Lieferanten ermöglicht. Die der Plattform zugrunde liegende Blockchain-Technologie ermöglicht eine schnellere Kommunikation innerhalb des Lieferanten-Ökosystems. Die Lösung des Startups könnte sich als sehr wertvoll erweisen, da Lieferketten zunehmend interaktiver und weniger linear werden. Das Modell von evan.network nutzt intelligente, vertragsunterstützende Blockchain-Technologie, mit der Unternehmen all ihre schriftlichen Verträge in ausführbaren Code überführen können. So kann beispielsweise ein Hersteller, der eine bestimmte Komponente benötigt, seine Anfrage mit einer Beschreibung der Produkteigenschaften und des erforderlichen Liefertermins zusammenstellen, an das Lieferanten-Ökosystem senden und von verschiedenen Lieferanten ein schnelles Angebot erhalten, was und zu welchen Bedingungen diese liefern können. Darüber hinaus unterhält das Startup ein Blockchain-Netzwerk, das Herstellern bei der Validierung von Transaktionen, Angeboten und Verträgen hilft und damit zu mehr Vertrauen innerhalb eines Lieferketten-Netzwerks beitragen kann.

Noch immer denken viele Hersteller, sie müssen alles selbst machen und erfinden, aber es ist an der Zeit, diese Einstellung zu ändern. Startups liefern transformative Nischenlösungen und -technologien, die bestehenden und neuen Anforderungen von Herstellern und unterschiedlichen Kunden gerecht werden. Die Branche macht schnelle Fortschritte, sodass die Zusammenarbeit mit Startups, die bereits einen Teil des Problems gelöst haben, und die Differenzierung im Markt durch solche gemeinsamen Anstrengungen den logischen nächsten Schritt darstellt.

Lesen Sie mehr darüber, warum Offenheit und Zusammenarbeit für den Erfolg in der digitalen Fertigung unerlässlich sind.