Technologie sorgt dafür, dass sich Bankensektor und Kapitalmärkte mit rasanter Geschwindigkeit verändern. In Deutschland, einem der stärksten Finanzplätze Europas, ist die Bank mit der höchsten Marktkapitalisierung längst keine traditionelle Bank mehr, sondern Wirecard, ein IT- und Finanzdienstleistungsanbieter im Bereich elektronische Zahlungsabwicklung und Risikomanagement.

Im September löste Wirecard die Commerzbank (die viertgrößte deutsche Bank) im DAX ab, dem Aktienindex für die 30 größten an der Frankfurter Börse notierten deutschen Unternehmen.

Dies war ein klares Warnsignal für die europäische Finanzbranche, die in puncto neue Technologien und innovative Finanzdienstleistungen noch immer hinterherhinkt, während die globale Finanzbranche angesichts von Plattformunternehmen wie Amazon und Alibaba sowie kleinen, kreativen FinTechs vor einschneidenden Veränderungen steht. Die meisten europäischen Banken haben bisher nur einen kleinen Teil ihrer Prozesse – bestenfalls 20 bis 30 Prozent – digitalisiert. Wirecard besitzt mit gerade mal 700 Mitarbeitern die Marktkapitalisierung einer herkömmlichen Bank mit über 80.000 Angestellten. Die Stärke einer Bank misst sich nicht länger allein an der Zahl ihrer Mitarbeiter und Niederlassungen. Offen zu sein für Innovationen, rechtzeitig neue Technologien einzuführen und die Anforderungen der Kunden zu berücksichtigen – das sind die entscheidenden neuen Faktoren für den Erfolg einer Bank.

Die Kundenanforderungen ändern sich ständig, und so ist auch die Präsenz „neuer Banken“ und Finanzakteure darauf zurückzuführen, dass sich die Beziehung zwischen Kunden und Banken verändert hat. Mehr denn je wünschen sich Kunden personalisierte Dienstleistungen. Sie wollen keine endlosen Dokumente zur Verfügung stellen, beim Gespräch mit ihrer Bank immer wieder die gleichen Informationen angeben oder in langen Schlangen warten. Kunden verlangen nach einer sofortigen Befriedigung ihrer Wünsche und einfachen, effizienten und automatisierten Services, auf die sie überall zugreifen und die sie einfach nur durch Einschalten ihres Mobiltelefons nutzen können.

 

Warum also nehmen sich dies nicht mehr europäische Banken zu Herzen?

 

Unserer Ansicht nach liegt dies an der zu starken Fokussierung auf mobile Basis-Apps und der unzureichenden Berücksichtigung des organisatorischen und kulturellen Wandels, der Teil des digitalen Transformationsprozesses ist. Einige europäische Banken führen noch immer Sicherheitsrisiken an, um ihre Trägheit hinsichtlich der Einführung neuer Technologien zu rechtfertigen. Diese Ausrede entbehrt jedoch jeder Grundlage. Die Luftfahrtbranche, die in den letzten Jahren mit noch größeren Risiken konfrontiert war, hat mittlerweile alle kundenseitigen Prozesse digitalisiert und automatisiert. 

 

Hier kommt RPA ins Spiel

Die Robotic Process Automation (RPA) gehört zu den Technologien, die die Digitalisierung von Banken vorantreiben und ihnen bei der Transformation helfen können. RPA ermöglicht effizientere und schnellere Prozesse und Betriebsabläufe, hilft dabei, Kosten zu reduzieren und die Einhaltung  nationaler und europäischer Bestimmungen zu verbessern. Und das Gute ist, dass es sich bei RPA nicht um eine punktuelle Lösung handelt. Arbeitsaufgaben, die strukturiert, prozessorientiert, regelbasiert und nicht intuitiv sind, die eine stabile Ausführung ermöglichen und in einer stabilen Umgebung durchgeführt werden – all diese Aufgaben sind für RPA perfekt geeignet.

RPA hat das Potenzial, zahlreiche Dinge hinsichtlich der Ausführung von Aufgaben zu ändern. Bei einer Automatisierung muss niemand mehr jahrelang studieren, um Finanzbuchhalter zu werden. Einem Roboter können, zumindest auf der Ausführungsebene, alle Buchhaltungsaufgaben beigebracht werden. Auf diese Weise können die Buchhalter für komplexere, strategische Arbeiten eingesetzt werden. Bei Banken lassen sich nahezu alle Back-End-Prozesse digitalisieren und automatisieren. Die dazu erforderlichen Tools sind vorhanden. Das Anlegen und Auflösen eines Kontos kann als vollständig automatisierter Prozess erfolgen. Auch die Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Kunden bei der Darlehensvergabe lässt sich automatisieren; ein Bankkaufmann ist für diese Aufgabe nicht erforderlich.

Da die Automatisierung auf Regeln basiert, sinkt das Risiko für Fehler und falsche Entscheidungen. Roboter können menschliche Fehler vermeiden, wenn sie richtig programmiert sind, um bestimmte Regeln und Prozesse einzuhalten. Aus regulatorischer Sicht ist es sogar noch besser, wenn automatisierte Software zum Einsatz kommt, die sich an strenge Regeln für die Datenverarbeitung und an einen Workflow hält, der einfach zu auditieren ist. Darüber hinaus benötigt eine virtuelle Belegschaft nur einige Server, um zu funktionieren; auf diese Weise können Kosten gesenkt und Bankmitarbeiter sinnvoller eingesetzt werden.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die europäischen Banken handeln sollten – und das bald. Die Entwicklungskurve der Technologie für Bankensektor und Kapitalmärkte verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Wichtig ist die Erkenntnis, dass nicht nur die Technologie, sondern auch die operative und organisatorische Herangehensweise geändert werden muss. Innovation ist nicht möglich, wenn alle Prozesse wie gehabt weitergeführt werden.