Für viele sind Blockchain und Kryptowährung ein und dasselbe. Eine solche verengte Betrachtungsweise würdigt aber in keinster Weise die große Innovationskraft hinter der Technologie. Sie hat das Potenzial, in vielen Branchen und Anwendungsbereichen revolutionäre Neuerungen hervorzubringen.

Durch manipulierte Kilometerzähler in Autos entsteht allein in Deutschland ein Schaden von mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Liest man die Kilometerstände der Autos, wie von Bosch und dem TÜV Rheinland vorgeschlagen, in regelmäßigen Abständen aus – beispielsweise im Rahmen der im Zweijahresabstand vorgeschriebenen Hauptuntersuchungen – und speichert die Daten in einer Blockchain, könnte man dem Betrug Einhalt gebieten. Jeder Käufer hätte damit die Möglichkeit, vor dem Erwerb eines Gebrauchtwagens die Echtheit des im Tachometer angezeigten Kilometerstands zu überprüfen, um sich gegen überhöhte Kaufpreise zu schützen.

In Anwendungen wie dieser und weniger in der Schaffung von Kryptowährungen sehen viele Experten die eigentliche Zukunft von Blockchain. Sie kann ihre mannigfachen Vorteile – die dezentrale Struktur, das hohe, inhärente Sicherheitsniveau und die Manipulationssicherheit – in vielen Bereichen vorteilhaft einbringen, bestehende Abläufe effizienter gestalten und neue Geschäftsmodelle erschaffen.

In Kombination mit Smart Contracts entfaltet sich zusätzliche Innovationskraft. Smart Contracts sind Programme, die anhand festgelegter Regeln und aufgrund bestimmter Konditionen selbstständig Entscheidungen treffen und darauf aufbauend weitere Aktionen veranlassen. Der Code für die Smart Contracts lässt sich in die Blockchain integrieren, sodass dann beispielsweise die Vertragshistorie unveränderbar gespeichert ist und auch Bezahlungen zwischen den beteiligten Parteien ohne zwischengeschalteten Intermediär automatisch ausgelöst werden könnten. So lassen sich einfache Schadensmeldungen bei Versicherungen automatisieren, Vermietungen von Fahrrädern und Autos organisieren oder Online-Verkäufe zwischen Privatpersonen abwickeln.

Weitere Informationen zu den Möglichkeiten von Blockchain finden Sie im DXC-Whitepaper „Beyond the buzz: blockchain, from myth to practice.

Die folgenden Anwendungen geben einen beispielhaften Einblick in die vielfältigen möglichen Szenarien für Unternehmen, das Gesundheitswesen und die öffentliche Hand:

Optimierung von Lieferketten

Wegen ihrer Transparenz, Automatisierungsfähigkeit und Fälschungssicherheit ist Blockchain für Lieferketten höchst interessant. Mit ihr können alle beteiligten Partner vollständig abgestimmt miteinander arbeiten, Vertragsabschlüsse digital abwickeln und fälschungssicher dokumentieren sowie die Herkunft von Waren auch bei komplexen Produkten transparent machen. Das ist insbesondere in der Lebensmittelindustrie und in der Logistik von großer Bedeutung.

Eigentumsübertragung und Besitz sicher dokumentieren

Für die öffentliche Hand ergibt sich aus der dezentralen und manipulationssicheren Struktur der Blockchain die Möglichkeit, Eigentumsverhältnisse zu dokumentieren und amtsübergreifend verfügbar zu machen. So lassen sich Grundbücher digitalisieren, die Ausstellung von Ausweisen effizienter gestalten oder Gesundheits- und Steuerdaten besser verwalten. Die inhärenten Sicherheitsmechanismen der Blockchain-Technologie helfen bei der Einhaltung der Datenschutzregeln.

Automatisierte Marktplätze mit Chancen für Kleinanbieter

Blockchain und Smart Contracts machen Marktplätze, die von vielen verschiedenen Akteuren genutzt werden, attraktiver. Rahmenvereinbarungen, Bezahlungen und Rechnungsstellung laufen automatisch ab. In diesem Bereich finden bereits viele Pilotprojekte statt: So möchte beispielsweise innogy mit einer Blockchain-Plattform die Abrechnung bei Ladestationen für E-Autos automatisieren und lokale Energieerzeuger ohne Umweg über einen Intermediär einbeziehen. Enerchain wiederum ist ein dezentraler internationaler Marktplatz, der die Kosten für den Energiehandel verringern will.

Verbesserter Urheberschutz

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt SAMPL zielt darauf ab, eine durchgängige Sicherheitslösung für so genannte additive Fertigungsverfahren, wie dem 3D-Druck, zu schaffen. Dabei wird der gesamte Prozess von der Entstehung digitaler 3D-Druckdaten über den Austausch mit einem Druckdienstleister und dessen abgesicherten 3D-Druckern bis zur Kennzeichnung der gedruckten Bauteile mittels RFID-Chip betrachtet. Das Konsortium verspricht sich von SAMPL in erster Linie einen Beitrag zur Lösung der drängenden Probleme im Bereich des Urheberrechts bei Additive Manufacturing und erhofft sich andererseits, dass das Verfahren ausgehend von der Luftfahrtindustrie in andere Branchen wie die Medizintechnik ausstrahlt.

Dezentrale Informationsdatenbanken

Mit Blockchain könnte sich beispielsweise das Gesundheitssystem von den bisher vorherrschenden Insellösungen lösen und eine umfassende, dezentrale Informationsdatenbank schaffen, die alle relevanten Daten eines Patienten enthält. Bisher unterhält jeder Arzt, jedes Krankenhaus und jedes Labor ein eigenes Register mit Patientendaten. Ein Austausch findet kaum oder nur sehr umständlich statt. Eine Blockchain würde diese meist proprietären Systeme ablösen und vereinheitlichen. Damit könnte jeder, der die Berechtigung erhält auf die komplette Gesundheitshistorie einer Person zugreifen und diese ggf. um neue Daten ergänzen. Die sicheren Verschlüsselungstechnologien der Blockchain sorgen für den Schutz der Daten. Der Einsatz solcher neuartigen Informationsdatenbanken ist nicht auf das Gesundheitswesen beschränkt. Anwendungsszenarien finden sich auch im Bildungsbereich, im Patentwesen, in der Forschung und Wissenschaft sowie in der Finanz- und Bankenindustrie.