Bis zur vollständigen Marktreife von Blockchain für Unternehmensanwendungen wird es noch einige Zeit dauern. Dennoch ist es ratsam, sich schon heute intensiv mit der neuen Technologie zu befassen. Wir geben Tipps zum Einstieg in ein Blockchain-Projekt.

Der momentane Hype um die Kryptowährung Bitcoin lässt häufig vergessen, dass sich die dahinter stehende Technologie Blockchain in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Noch sind beispielsweise viele Fragen zur Standardisierung und zur Regulierung offen. Heißt das für Unternehmen nun abwarten und Tee trinken bis der notwendige Reifegrad erreicht ist? Nein, sagen viele Experten. Wer künftig von Blockchain profitieren will, sollte sich jetzt mit der Technologie und ihren Möglichkeitenbeschäftigen.

Denn Blockchain ist ziemlich komplex und verlangt bei der Umsetzung ein umfassendes Know-how. Gerade das fehlt vielen Unternehmen aber häufig. Sie können auch nicht auf dokumentierte Anwendungsfälle zurückgreifen, um eine erste Orientierung zu erhalten, da es diese (noch) nicht gibt.

Wie also anfangen? Um alle Aspekte und Bereiche abzudecken, ist es sinnvoll, ein interdisziplinäres Team zusammenzustellen, das über technische Kompetenz verfügt, aber auch fundiertes fachliches Wissen hat und die internen Prozesse im Unternehmen und das Unternehmensumfeld kennt. Es ist gegebenenfalls sinnvoll, externe Spezialisten mit Blockchain-Erfahrung ins Team zu holen, um schneller voran zu kommen. Im nächsten Schritt sollte ein detailliertes Assessment erfolgen, um herauszufinden, welche Anwendungsfälle im Unternehmen mit Blockchain überhaupt verbessert oder erst umgesetzt werden können.

Assessment trennt die Spreu vom Weizen

Doch Vorsicht: Blockchain ist keine Wundertechnologie, mit der man alle Anwendungen und Prozesse effizienter gestalten kann. Um realisierbare Anwendungen zu identifizieren, empfiehlt es sich ähnlich vorzugehen, wie bei der Einführung von Cloud-Lösungen vor einigen Jahren. Erfolgreiche Teams haben damals zunächst mögliche Use Cases identifiziert und für die vielversprechendsten Projekte Pilotinstallationen implementiert.

Bei Blockchain sollten die Teams ganz gezielt nach Anwendungsfällen suchen, die damit schneller laufen, einfacher werden oder Transaktionskosten einsparen und bei denen man in überschaubaren Testprojekten die Machbarkeit der Use Cases demonstrieren kann. Auf diese Art lassen sich wertvolle Erfahrungen über die technische Umsetzung wie auch über die Auswirkungen des Projekts sammeln: Wie ist die Akzeptanz? Welchen Nutzen bringt die Anwendung? Wie wirkt sie sich auf andere Bereiche aus? Erst nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Phase sollte man die Anwendungen in größerem Maßstab implementieren und auf den Markt bringen.

Hierbei ist Geduld gefragt. Den Verantwortlichen sollte klar sein, dass sich ein Blockchain-Projekt nicht für einen Schnellschuss eignet, der einen sofortigen Return on Investment bringt. Es empfiehlt sich, Etappenziele zu definieren: Wer beispielsweise erste erfolgreiche Tests kommuniziert, kann positive Rückkopplungen auf das Unternehmen erzeugen. Weil die Öffentlichkeit momentan sehr an Blockchain interessiert ist, können Unternehmen, die frühzeitig in die Blockchain-Technologie einsteigen, aus diesem Interesse doppelten Nutzen ziehen: Sie sammeln Erfahrung, die sie in eine gute Ausgangsposition bringen und lenken die Aufmerksamkeit auf das Unternehmen – mehr kann man von einem Pilotprojekt nicht erwarten.