Neben Bitcoin sind derzeit weltweit etwa weitere 4.500 Kryptowährungen in Verwendung. Täglich kommen neue dazu. Was unterscheidet eine Krypto- von einer Standardwährung und welche Unterschiede gibt es bei den wichtigsten digitalen Zahlungssystemen?

Kryptowährungen sorgen in jüngster Zeit für Schlagzeilen. Extreme Kursstürze bei Bitcoin zu Beginn des Jahres gehören ebenso dazu wie Anstiege um 36.000 Prozent in zwölf Monaten beim Newcomer Ripple. Kursrallyes beflügeln offensichtlich die Fantasien der Anleger und machen Kryptowährungen zu beliebten Spekulationsobjekten.

Der Hype hat damit zu tun, dass es um Geld geht. Um viel Geld. Der Marktwert aller Kryptowährungen erhöhte sich im vergangenen Jahr laut CoinMarketCap.com um 2700 Prozent auf 503 Milliarden US-Dollar. Digitales Geld ist jedoch nicht nur für Spekulanten interessant. Es bietet Anwendern zahlreiche Vorteile gegenüber klassischen Währungen: Der wichtigste ist der Zahlungsverkehr ohne zentrale Instanz wie einer Bank. Das hängt damit zusammen, dass Kryptowährungen privatwirtschaftlich erschaffen wurden und zur Handhabung meistens die Blockchain-Technologie nutzen. Ihr liegt eine dezentrale Struktur zugrunde, bei der sich die Handelspartner über ein Peer-to-Peer-Netzwerk miteinander vernetzen.

Diese Technologie erspart den Handelspartnern nicht nur die bei Banken anfallenden hohen Gebühren für Auslandstransfers, sie bietet auch sehr schnelle Transaktionen über Ländergrenzen hinweg (siehe THRIVE-Artikel: „Blockchain ermöglicht dezentral kontrollierte, sichere Transaktionen“). Die dezentrale Struktur bringt außerdem ein hohes Maß an Sicherheit mit sich, da die Blockchain sämtliche Abläufe protokolliert und sie mit kryptografischen Verfahren manipulationssicher macht.

Die hier getroffene Auswahl deckt nicht das gesamte Spektrum an Kryptowährungen ab, sondern zeigt anhand prominenter Beispiele die unterschiedlichen Ansätze. Noch ist der Markt für Kryptowährungen im Aufbau und es werden weitere Währungssysteme und weitere Verfahren dazukommen.

Bitcoin wird als „privates Geld“ anerkannt

Die bekannteste Währung ist Bitcoin. Sie wurde 2008 initiiert und wird seit 2009 öffentlich gehandelt. Als einzige Kryptowährung wird sie einem Medienbericht zufolge von der Bundesregierung rechtlich und steuerlich als „privates Geld“ anerkannt, gilt jedoch nicht als offizielles Zahlungsmittel. Wie alle Blockchain-Anwendungen gilt sie als fälschungssicher (siehe THRIVE-Artikel „Fünf Fragen zu Blockchain“) und wird im internationalen Handel häufig verwendet.

Inzwischen kommt es jedoch aufgrund der Blockgröße von nur 1 MB und der Beschränkung im Programmcode auf sieben Transaktionen pro Sekunden immer häufiger zu Verzögerungen bei Transfers, was für Anwender mit hohem Transferbedarf Einschränkungen mit sich bringt.

Die technische Limitierung gab nicht zuletzt den Ausschlag für die Abspaltung des Bitcoin Cash vom Bitcoin im vergangenen Jahr. Mit seiner Blockgröße von 8 MB kann diese neue Währung das Achtfache an Transaktionen im gleichen Zeitraum leisten. Eine weitere und ebenfalls schnellere Alternative zum Bitcoin ist der Litecoin. Er beschleunigt die Transaktionen, indem Blöcke statt alle zehn Minuten (Bitcoin) alle 2,5 Minuten erzeugt werden. Diese Blockerzeugung – Mining genannt – ist bei Litecoin auch mit herkömmlichen PCs möglich, während bei Bitcoin höhere Rechnerleistungen erforderlich sind.

Eine ebenfalls auf Blockchain aufgebaute Währung ist Ethereum. Sie unterscheidet sich von Bitcoin darin, dass sie auch Smart Contracts ermöglicht. Das bedeutet: Es lassen sich Verträge in Form von Computerprotokollen auf der Plattform abbilden, die bei Erfüllung definierter Vorgaben automatisch ausgeführt beziehungsweise umgesetzt werden. Smart Contracts ermöglichen eine Vielzahl unterschiedlichster Anwendungen wie beispielsweise E-Voting, Optimierung von Lieferketten oder Eigentumsübertragungen (weitere Anwendungen siehe THRIVE-Artikel Blockchain kann mehr als nur Kryptowährungen).

Zahlungssysteme ohne Blockchain

Ohne Blockchain kommt das Zahlungssystem Ripple von Ripple Labs aus. Es basiert auf einer öffentlichen Datenbank mit einem Kontenregister, das für alle Beteiligten im Netzwerk einsehbar ist. Von einem Register werden Kopien über einen Konsensmechanismus an sämtliche Computer im Peer-to-Peer-Netzwerk verteilt und somit öffentlich gemacht.

Die Tatsache, dass auch Informationen über Kauf- beziehungsweise Verkaufsangebote integriert werden können, macht Ripple zu einem Handelsplatz für Devisen und Güter. Der Handel erfolgt über Schuldscheine (IOUs für „I Owe You“), auf welchen die Verbindlichkeiten zwischen den Nutzern in unterschiedlichen Währungen vermerkt sind.

Die Verbindung in die klassische monetäre Welt wird über sogenannte Gateways hergestellt, die die Bankenfunktion übernehmen, also offizielle Währungen annehmen und dafür IOUs ausstellen. Die Ripple-Währung heißt XRP. Das System eignet sich für den internationalen Handel mit Produkten und Devisen. Die spanische Großbank Santander gab kürzlich bekannt, dass sie Ripple für mobile internationale Transaktionen zwischen Spanien, Polen, Brasilien und Großbritannien einsetzen will.

Für das Internet der Dinge wurde die Kryptowährung IOTA (Internet of Things and Tangle) entwickelt. Sie kann Abrechnungen an der Schnittstelle zwischen zwei Maschinen durchführen und kommt dort zum Einsatz, wo schnelle Transaktionen ohne großen Rechenaufwand zu bewältigen sind, wie beispielsweise in der Automobilindustrie. IOTA kommt ebenfalls ohne Blockchain aus. Stattdessen wird ein sogenannter Tangle (gerichteter azyklischer Graph) eingesetzt.

Anders als bei Bitcoin, bei dem die Zustimmung sämtlicher Teilnehmer erforderlich ist, muss bei IOTA eine Transaktion durch zwei zufällig ausgewählte Benutzer validiert werden, bevor der Empfänger sie als bestätigt kennzeichnen kann. Aus Sicherheitsgründen muss noch eine kryptographische Aufgabe gelöst werden. Zur Koordination der Transaktionen wird ein Administrator eingesetzt.

Kritikpunkte

Ein häufig genannter Kritikpunkt ist, dass Kryptowährungen nicht als offizielles Zahlungsmittel anerkannt sind und dass sie nicht miteinander verknüpft sind. Zu Verunsicherung führen die häufigen Kursschwankungen und die Tatsache, dass es auf diesem milliardenschweren Markt natürlich auch schwarze Schafe und Kriminelle gibt, die Anleger mit unseriösen Angeboten betrügen. Insofern sollten sich Unternehmen gut beraten lassen, bevor sie in eines der Währungssysteme einsteigen wollen.

Eine Tabelle mit über 100 Kryptowährungen mit der größten Marktkapitalisierung ist auf Wikipediaabgebildet.